Angelesen: Interview mit der Autorin Nina S. Doerr

nina

Zum Buch „Rückkehr nach B-Plex“

Unah fühlt sich anders als die Menschen in ihrer Umgebung. Die Vermutung wird zur Gewissheit, als ein pelziges Wesen namens Mull in ihr Leben tritt. Zusammen mit dem Mustaschneck macht sie sich auf den Weg nach B-Plex, wo eine große Aufgabe auf sie wartet.

Hallo Nina, magst du dich mal kurz vorstellen?

Wo fange ich denn da an?
Ich bin in Saarbrücken geboren und habe fast 20 Jahre in der Marketingabteilung eines halbstaatlichen Unternehmens gearbeitet. Die Rente war sozusagen sicher. Jetzt lebe ich mit meinem Mann seit fast zwei Jahren in den USA, wo gar nix sicher ist.
Ich arbeite als Übersetzer für viele große und kleine Kunden und fühle mich trotz der erheblich größeren Menge an Arbeit und Stress zum ersten Mal nicht wie in einem Hamsterrad.
Ich glaube, feste Zeiten waren einfach nie mein Ding. Schreibtisch und Kaffee, das brauche ich. Und die Freiheit, mir meine Zeit selbst einzuteilen.
Leider rauche ich dabei auch zu viel, da muss ich unbedingt noch was dran ändern.
Mein Traum wäre es, mit dem Schreiben und meinen Büchern so viel zu verdienen, dass ich davon leben kann und mehr zu reisen. Man sollte viel sehen im Leben. Ich bin davon überzeugt, dass es die Toleranz der Menschen im Allgemeinen weit voran bringen würde, wenn man sich ab und zu mal auf fremde Kulturen einlässt.
Ich habe ein Problem mit intoleranten, ausländerfeindlichen und homophoben Menschen, gehe immer zur Wahl und glaube trotz unzähliger Gegenbeweise noch immer an einen guten Kern in uns allen.
Ich lese viel, liebe Filme und Autorenserien und bin im Allgemeinen ein großer Fan von Dingen, die gut gemacht sind und in denen Herzblut drinsteckt.

Wie lange hat es denn gedauert „Rückkehr nach B-Plex“ an den Start zu bringen? So von der ersten Idee bis zum gedruckten Wort?

Die Idee ist schon alt, ich weiß gar nicht mehr so genau, wann ich sie zum ersten Mal hatte. Angefangen an dieser Geschichte zu schreiben habe ich vor ca. 4 oder 5 Jahren, immer mal wieder so ein bisschen. Wenn es mir nicht gut ging, oder wenn ich eine Ablenkung vom Hamsterrad gebraucht habe. Hier in den USA habe ich es dann beendet und auch endlich die Zusage von einem richtigen Verlag bekommen. Also vom ersten Wort bis zum Druck würde ich mal sagen so 5 Jahre.

Du hast dich ja für den „klassischen“ Publikationsweg entschieden und dein Buch beim Gollenstein-Verlag veröffentlicht. Mittlerweile gibt es ja auch noch andere Möglichkeiten seine Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Warum hast du es gemacht, wie du es gemacht hast?

Mir war wichtig, dass es mein Buch als Print- und als E-Book-Ausgabe erscheint. Viele Eltern und Großeltern schenken noch gerne richtige Bücher. Der E-Book-Anteil liegt bei ca. 10% der gekauften Bücher. Das wird sich sicher bald ändern, aber noch muss man beides bedienen. Also kam es für mich erst mal nicht in Frage, mein Buch selbst als E-Book zu veröffentlichen.
Und mir war wichtig, dass es nicht in einem Book-On-Demand-Verlag rauskommt, da es dann von Anfang an so einen Beigeschmack hat. So von wegen: da hatte kein richtiger Verlag Lust drauf. Und außerdem wird dann auch null Pressearbeit für einen gemacht. Ein Verlag tut ja mehr als nur drucken. Alleine das Lektorat ist nicht zu unterschätzen! Und dann sind da eben noch die Presserklärungen, Pressetermine, Plakate, Anzeigen, Veranstaltungen, Lesungen… das gehört alles zum Paket dazu. Und selbst dann ist es noch wahnsinnig schwer, Menschen zu erreichen.
Ich hatte schon als dieser erste Teil von B-Plex halb fertig war fast die Zusage eines anderen, größeren Verlags. Die haben dann aber doch das Risiko nicht eingehen wollen. Es geht ja auch hier wie überall nur ums Geld verdienen. Und mich kennt ja noch keiner. Für eine unbekannte Autorin mit einer Geschichte, die man eigentlich nicht so wirklich irgendwo einordnen kann, da gibt man nicht gerne gleich viel Geld aus für Druck und Werbung etc.
Und meine Geschichte ist ja kein klassisches Kinder- oder Jugendbuch. Es ist eine Mischung aus Matrix und Alice im Wunderland. Im Prinzip geht es neben der Spannung, die hoffentlich rüber kommt, und neben den verrückten Figuren, eigentlich um den Sinn des Lebens. Die Schublade, in der es jetzt aus vermarktungstechnischen Gründen steckt, wird ihm eigentlich nicht gerecht. Hätte ich Unahs Geschichte in Japan rausbringen können, dann hätte ich glaube ich auf eine offenere Behandlung des Themas hoffen können. In Deutschland funktioniert diese Kombination aus Mystik und kindlicher Ästhetik nicht so gut, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Das ist übrigens mein ferner Traum. Eine Verfilmung im Stil von „Chihiros Reise ins Zauberland“.

Das Universum rund um Unah ist komplex. Wie schaffst du es, da den Überblick nicht zu verlieren? Hast du die Geschichte jeder Figur schon ausformuliert oder kommt das beim Schreiben? Und wie vermeidest du dabei Anschlussfehler?

Am Anfang hab ich einfach drauf los geschrieben, mit einer Idee im Kopf, wie es weiter gehen kann. Irgendwann habe ich dann Notizen und Schaubilder gemacht. So ein Anschlussfehler ist sehr schnell passiert. Vor allem, wenn man wie ich nicht die ganze Zeit dran bleiben kann. Ich hab immer zwischendurch viel Arbeit und keine Zeit zum Schreiben. Dann muss ich mich nach einer längeren Pause immer erst mal wieder einlesen. Was auch hilft, ist eine Kapitelübersicht. Damit habe ich einen besseren Überblick über die Beziehungen der Figuren untereinander und die Entwicklung der Geschichte.

Das Buch ist unheimlich schön illustriert. Einige der Bilder würde ich mir ohne Weiteres an die Wand hängen. Wer hat das Buch denn bebildert?

Die Illustrationen sind von Lydija Kühr. Sie lebt in Berlin und arbeitet dort als Grafikerin. Sie ist die beste Freundin meiner Schwester. Sie hat schon Preise gewonnen für ihre Arbeit, ist aber viel zu bescheiden, um damit anzugeben.
Ich habe ihr die Geschichte geschickt und sie hat genau das abgeliefert, was ich wollte. Ich hab fast geweint, als ich die Figuren gesehen habe. Sie hat sie einfach lebendig gemacht.

Gibt es bald Merchandise? Ich hätte gerne ein Mull-Shirt.

Das fänd‘ ich klasse! Das hätte ich auch gerne! Ich gebe euch die Kontaktdaten vom Verlag. Dann könnt ihr das mal anstoßen.

Die wichtigste Frage zum Schluss: WANN GEHT’S WEITER??

Der zweite Teil ist zu 75% fertig geschrieben. Ich denke mal, nächstes Jahr kann‘s dann weiter gehen. Ein genaues Datum habe ich noch nicht.

Danke für das Interview, liebe Nina!

Foto: Verlag

Mehr checken...
Mehr checken...
"All computers essentially make magic", sagt Danielle Johnson und schiebt nach ihren…