Service: Das Prinzip der langen Wege

emotion räderFernbedienungen sind eine gute Erfindung, da wird mir wohl keiner widersprechen. Die Stromversorgung der verschiedensten Fernbedienungen in einem Haushalt sicherzustellen kann schon mal nervig sein, denn oft lässt die Energie der Batterie nach, wenn man grad keinen Ersatz greifbar hat. Wenn die Batterie einer Fernbedienung eines Hilfsmittels, das man alltäglich benutzt, ihren Dienst einstellt, ist das nicht nur nervig, sondern eine Beeinträchtigung von -benutzen wir mal einen starken Begriff- Lebensqualität. So geschehen Anfang Januar, genauer gesagt am Donnerstag den 2. Januar. Die Fernbedienung meiner Alber e-motion-Räder (das sind restkraftunterstützende Greifreifenantriebe) stellt den Dienst ein.

umbenennenFairerweise muss man sagen, dass wohl eine Warnung im Display erscheint, wenn sich der Ladezustand der Batterie dem Ende zuneigt. Zu welchem Zeitpunkt dies geschieht, weiß ich nicht, weil ich die etwas sperrige Fernbedienung seitlich an meinem Rucksack angebracht habe und sie täglich mehrfach “blind” bediene und somit nur das Nichtfunktionieren bemerkte.

Nach kurzer telefonischer Rückfrage bei meiner Krankenkasse, wie man den Batteriewechsel schnellstmöglich bewerkstelligen könnte, bekam ich die Auskunft, ich müsse mich mit einer ärztlichen Verordnung an ein Sanitätshaus wenden, damit dieses einen Kostenvoranschlag erstellt, der zur Genehmigung bei der Krankenkasse eingereicht wird. Nach Genehmigung könne dann der Batteriewechsel erfolgen. Hört sich nicht nach einer schnellen Lösung an, aber wenn das nun mal der Weg ist, gehen wir ihn halt.

Also besuche ich meinen Hausarzt, wo ich die Verordnung auch problemlos bekomme. Die Verordnung bringe ich persönlich zu dem Sanitätshaus meines “Vertrauens”. Dort sichert man mir zu, den Kostenvoranschlag schnellstens bei der Kankenkasse einzureichen.

Der Freitag geht vorüber und mündet ins Wochenende. Durch das Nichtfunktionieren der Fernbedienung kann ich den Zusatzantrieb für meinen Rollstuhl lediglich auf der letzten per Fernbedienung gewählten Antriebsstufe am Reifen direkt ein- und ausschalten. Es war nur die Fahrstufe I verfügbar. Solange ich mich nur in der Wohnung aufhalte, stellt das kein Problem da. Etwas anders wird die Sachlage, wenn ich das Haus verlasse, z. B. wenn ich zur Arbeit fahre. Da brauche ich dann Fahrstufe 2, die mir mehr Unterstützung gewährt. Zum Glück habe ich nette, hilfsbereite Kollegen, die mir helfen, die vorhandenen Steigungen, vom Parkplatz zum Eingang, zu bewältigen.

Dienstag, 7. Januar. Gegen 11:00 Uhr erkundige ich mich beim Sanitätshaus über den Stand der Dinge. Ich bekomme die Auskunft, dass die Genehmigung der Krankenkasse vorliegt und dass die Batterie bestellt wird. Ich bin positiv überrascht, meine Krankenkasse ist schnell.

Donnerstag, 9. Januar. Gegen Mittag erkundige ich mich, ob meine Batterie inzwischen angekommen ist. Leider bekomme ich eine abschlägige Antwort, das Teil ist bestellt und überhaupt würde man mir Bescheid geben, sobald die Batterie verfügbar sei.

Als Kunde eines großen Onlinehändlers bin ich, was Lieferzeiten von Bestellungen angeht, wohl etwas verwöhnt. Um mir die Zeit zu vertreiben versuche ich herauszufinden, welche Batterie benötigt wird. In den ”öffentlich” zugänglichen Informationen, konnte ich über den benötigten Batterietyp keine Angaben finden. Letztendlich stoße ich durch Zufall in der Anleitung zur Programmierung der e-motion-Räder per Fernbedienung auf die Typenbezeichnung der Batterie. Allerdings unterliegt die Beschreibung wohl einer gewissen Geheimhaltung und ist normalerweise nur Sanitätshäusern zugänglich. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mein Verdacht, dass es sich um eine ganz spezielle Batterie handelt, die nicht einfach zu besorgen ist – oder dass es sich gar um einen Artikel aus der Weltraumforschung handelt – wird nicht bestätigt. Der Preis für zwei Batterien beläuft sich auf 5,95 Euro und die entsprechenden Batterien hätten bei meinem Onlinehändler über Nacht geliefert werden können.

Montag, 13. Januar. Nachfrage beim Sanitätshaus. Abschlägige Antwort.

Dienstag, 14. Januar, früher Nachmittag. Erneuter Anruf beim Sanitätshaus. Frohe Kunde, die Batterie ist eingetroffen, leider konnte man sich noch nicht bei mir melden. Und nein, heute könne man den Austausch nicht mehr vornehmen.

Mittwoch, 15. Januar. Ich nehme meinen Termin zum Austausch der Batterie wahr, es dauert ungefähr fünf Minuten.

Im Nachhinein weiß ich nicht, was ich von der ganzen Sache halten soll!? Die Krankenkasse hat schnell gehandelt, das Sanitätshaus hat sich “bemüht”. Ich wurde nett behandelt, war allerdings zwei Wochen eingeschränkter, als ich es durch meine Behinderung eh schon bin.

Was mich sehr ärgert, ist der Aufwand, der betrieben werden muss, um so etwas Profanes wie einen Batteriewechsel durchzuführen.

Legen wir mal, der Einfachheit halber, einen Stundensatz von 45,00 Euro bei allen Beteiligten “Fachkräften” zugrunde. Die Kosten der ärztlichen Verordnung kann ich nicht wirklich beziffern, da fehlen mir Daten, aber ich leg mal den obigen Stundensatz zugrunde.

 

Leistungen

Zeit/km/Anzahl

Kosten

Kosten ärztliche Verordnung

10 min.

7,50 €

Erstellung Kostenvoranschlag

30 min.

22,50 €

Prüfen, genehmigen Kostenvoranschlag

30 min.

22,50 €

Fahrtkosten (2 Fahrten)

34 km

4,00 €

Telefonkosten (2,9 cent/Minute)

6

0,35 €

Opfern meiner Arbeitszeit

60 min.

45,00 €

Kosten Batteriewechsel

10 min.

7,50 €

Kosten Batterie

1 Stk.

5,00 €

Gesamtkosten

 

109,35 €

Ob die Rechnung nun bis auf den Euro stimmt, ist nicht wirklich wichtig, sie soll nur der Veranschaulichung dienen.

Auf alle Fälle gilt:
Bei solchen Gelegenheiten die Nerven behalten und ruhig bleiben? Unbezahlbar!

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[caption id="attachment_534" align="aligncenter" width="800"] [/caption] Danke Alex fürs Knipsen.