Schlecht gelaunt im Fernbus

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Das Ticket bequem per paypal ein Tag vor Abfahrt online gekauft, nachdem der offline-Ticketshop, der sich eigentlich direkt in meiner Straße befinden sollte, in Wirklichkeit nicht aufzufinden war. So geht es für acht Euro von Frankfurt nach Homburg. Mit der Bahn hätte mich die Strecke 17 Euro gekostet, aber eben auch nur dank BahnCard 50. Der unglückliche Otto Normalbahnfahrer hätte für dieselbe Strecke 34 Euro gezahlt.

Zwischen zwei Zeiten kann ich wählen: 06:05 Uhr oder 18:15 Uhr. Ich entscheide mich für 18:15 Uhr und werde laut Fahrplan um 20:50 in Homburg ankommen. Eine Fahrtzeit von zwei Stunden 35 Minuten und damit sogar zehn Minuten schneller als die Bahn.
Klingt nett und entspannt. Ich freue mich.
Was mich nur jetzt schon leicht ins Schwitzen bringt: Mein Endziel ist nicht Homburg, sondern das halbstündig entfernte Illingen. Und mir bleibt nur eine Umsteigezeit in die Bahn von 5 Minuten, um nicht eine weitere Stunde am Homburger Bahnhof zu verbringen.

Um alles richtig zu machen bin ich wie empfohlen 15 Minuten vor Abfahrt am Bussteig. Ein komplett in „meinFernbus-grün“ gekleideter Busbegleiter zeigt mir an, dass ich richtig bin. Als der Bus nach zehn Minuten noch nicht da ist, werden die ersten Leute ungeduldig und nervös und das „Wo fahren Sie denn hin?“ und „Bin ich hier richtig?“ – Gefrage geht los … ja, alle sind richtig und nein, der Bus wird wohl nicht pünktlich kommen. Damit niemand auf falsche Gedanken kommt und dem Busbegleiter unangenehme Fragen stellt, beweist dieser, wie beschäftigt er ist und unternimmt alles in seiner Macht Stehende um die Ankunft des Busses zu beschleunigen: gewissenhaft geht er auf und ab, checkt immer wieder sein Smartphone und schaut erwartungsvoll in die Richtung, aus der wohl der Bus kommen wird. So viel Bemühen ist irgendwann auch erfolgreich, und dreißig Minuten nachdem der Bus eigentlich losfahren sollte, trudelt er ein. Der Grund für die Verspätung, der mitgeteilt wurde, ist, dass er gestern schon die gleiche Verspätung hatte. Da keiner der Wartenden darüber verärgert ist, muss das wohl eine nachvollziehbare Erklärung sein, die ich unbedingt auch bei eigenem Zuspätkommende einmal ausprobieren sollte. Erleichtert kann ich einsteigen, denn damit habe ich schon jetzt die beruhigende Gewissheit: Ich werde in Homburg länger als nur fünf Minuten Zeit haben, um meinen Anschlusszug zu bekommen. Dreißig Minuten Verspätung wird der Busfahrer wohl nicht mehr aufholen können, und es besteht kein Risiko, dass ich den ersten Zug noch irgendwie erwischen könnte.
Der Bus ist nicht einmal zur Hälfte voll. Wir Neulinge werden vom Busfahrer überschwänglich begrüßt und unsere Namen werden auf seiner Liste abgehakt. Gut gelaunt bespricht er sein Mikrofon: „Wir sind etwas zu spät, aber so ist das nun einmal“. Er stimmt kurz das Lied „Mein Freund der Baum“ an. Die anderen Fahrgäste lachen; scheinbar ein Insider unter den schon länger Mitfahrenden. Nochmal zählt der Busfahrer alle durch – keiner fehlt, die Fahrt kann weitergehen. Wir werden auf die Gurtpflicht hingewiesen und der Busfahrer hofft, dass das W-lan funktioniert – tut es aber nicht. Halb so schlimm, dreißig Sekunden auf den Laptop geguckt, hat bei mir sowieso Erinnerungen an halb vergessene speiüble Klassenfahrten wachgerufen. Und es steht fest: Die nächsten zweieinhalb Stunden werden für mich nicht mit Laptop, Lesen oder Handy rumzubringen sein. Ich könnte telefonieren. Dafür herrscht im Bus aber eine zu geringe Anonymität. Es ist zu still, die Leute zu wenige. Mir ist schlecht.

Der Bus stopt auf seiner Fahrt noch am Frankfurter Flughafen und in Mainz. Davon bekomme ich aber nur wenig mit. Ich bin zu sehr damit beschäftigt, die Horizontlinie nicht aus den Augen zu verlieren …
Unterwegs konnte der Bus tatsächlich noch etwas Zeit gut machen. Für den Anschlusszug hat es aber nicht gereicht, und weil die Bahn außerhalb der Stadt nur spärlich fährt, war ich am Ende fast fünf Stunden unterwegs, um von Frankfurt nach Illingen zu kommen. Die halbstündige Bahnfahrt von Homburg nach Illingen kosteten noch einmal fünf Euro. Nach dem acht Euro Ticket für den Fernbus fühlt sich das wie unglaublich viel Geld an, und ich frage Google, warum die Bahn so teuer ist. Google weiß die Antwort auch nicht, aber versichert mir, dass sich, dass viele andere auch fragen. Damit bleibt es also dabei: Fernbus ist eine nette Alternative – nur halt irgendwie nicht für mich.

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"A wise man once said, 'Forgiveness is divine, but never pay full…