WOLFENSTEIN: THE NEW ORDER

fräulein1Impulsiv wie ich bin, hab ich mir das neue Wolfenstein: TNO zugelegt. „Wolfenstein:The New Order (German Version)“ um genau zu sein: Wolfenstein-Games haben ein Faible für verfassungsfeindliche Symbole und werden daher für den hiesigen Markt etwas beschnitten. Ich war die ganze Zeit skeptisch, ob’s was taugen wird, denn das sah alles irgendwie nach random Shooter aus, der mit Fokus auf die neuen Konsolen entwickelt wurde. Allerdings gab es einen Faktor, der mich interessierte: Id-Software hat die bekannte Franchise in die Hand von Machine-Games gelegt. Einige der Typen waren wohl maßgeblich beteiligt an Chronicles of Riddick. Ein Videospiel-Spin-Off, basierend auf einem Film (später einer Reihe) mit Mr. Vin Diesel. Die Filme sind ziemlicher Crap, aber das Game war zu seiner Zeit der heißeste Shit. Mit komplett eigener Story schlich, prügelte und ballerte man sich in der Zukunft durch einen Knast nach dem anderen. Das alles war so hot inszeniert, dass ich beim Schreiben echt Bock habe, es wieder anzuzocken. Auf Konsolen gab wenig vergleichbares, minutenlang stand ich in einem Badezimmer und hab einfach nur die geilen 3D-Kacheln angeglotzt und einfach mal gar nicht ausgehalten, wie geil es aussieht. Für mich war es kein einfacher Shooter, sondern eine Knast-Simulation mit vielen verschiedenen Elementen, die alle super funktionierten. So hoffte ich, dass Wolfenstein einen ähnlichen Weg einschlägt und abgesehen vom FPS-Standard noch mehr in Petto hat.

Ich bin so random, wenn du auf COD stehst bist du ziemlich richtig.

Ich sah die Box also im Elektrogroßmarkt. Nicht, dass die jetzt besonders cool designed gewesen wäre. Alles auf ihr sagt: Ich bin so random, wenn du auf COD stehst bist du ziemlich richtig. „Beta-Key fürs nächste Doom“ haben die Herrschaften da noch drauf gestempelt. Naja. Mit nach Hause genommen und dann erstmal das hier gesehen:

4CDs
Warum zur Hölle? Erste CD eingelegt und die Installation startete über Steam. Vorraussichtliche Installationsdauer: über 3 Stunden. Ich hatte fast schon keinen Bock mehr. Also mal in Ruhe gekocht und gegessen. CD 2 eingelegt. Gespült. Schönes Wetter draußen, ab auf den Balkon und rauchen… Klar worauf ich hinaus will. Als die CDs durch waren musste nur noch ein ca. 10 Gig großer Patch von Steam geladen werden, um das Game zu starten.
Erstmal kamen mir die Splashscreens von Bethesda und Konsorten entgegen geruckelt. Spiel gestartet und erstmal feststellen, dass ich mich mit Ladedauern aus 1995 anfreunden soll.

Tjopes, dann ging’s auch schon los mit dem Game, das ohne Vsync abartiges Tearing hatte. Ohne, dass es jetzt so geil aussah wie ein Crysis. Einstellungen von Ultra auf Hoch gestellt, Vsync an und es war spielbar. Endlich.
Man erlebt die Story von Wolf:TNO aus den Augen von B.J. Blazkowicz. BJ. Heh. 1946 vergeigt man eine wichtige Mission, die Nazis (in der GERMAN VERSION nur „das Regime“ genannt, lame) gewinnen den Krieg. BJ fällt ins Koma und wird erst in den 60ern wieder wach, die Nazis haben die Welt in der Hand und töten grad mal alle Insassen der Irrenanstalt, in der man vor sich hin sabbert. Es ist also an der Zeit wach zu werden, alles wegzusplattern, dem Widerstand beizutreten und das Blatt zu wenden. Story ist dann auch eher mäßig-spannend, immerhin ein paar mal ganz nett inszeniert. Nur auf die Mischung komm ich nicht so klar. Entweder ist es mal ganz traurig, so kitschig schleimig, im nächsten Moment irgendwie ganz lower Humor, im wieder Nächsten nimmt sich das Spiel dann einfach nur superernst. Fühlt sich alles seltsam absurd und ganz weit weg an. Genau wie die Deutsche Synchro. Viel zu leise, ohne auch nur den Hauch einer Chance, es irgendwie zu beeinflussen.

Neuschwabenland platt machen

Das Spiel an sich macht dann einiges tatsächlich ganz richtig, aber nichts außergewöhnlich gut. Auffallend ist: wenn Wolfenstein ein typischer Shooter ist, ist es eigentlich ziemlich lame. Beispielsweise ist der Tutorial-Level hässlich und einfach nur random. Solide, mehr nicht. Im nächsten Level, nach dem Aufwachen im Krankenhaus, kommt dann schon mehr Atmo auf. Darauf folgt ein Shooterlevel aka langweilig; darauf eine Mission im Knast, bisschen Stealth: ganz geil.
Der schlimmste Level ist aber der Mond: cool dacht ich mir, Neuschwabenland platt machen. AUF DER MONDOBERFLÄCHE SPIELEN, IM RAUMANZUG. Das habe ich erwartet. Und es kommt auch. Und das wäre auch an sich ein nices Feature. Tjopes, dieser Abschnitt dauert dann ca. 3 Minuten und man ballert dann auch genau drei Drohnen ab, die man im Spiel schon 50 mal vom Himmel gepflückt hat. Das war’s. Zurück in die Mondbasis. Der andere Grund, der den Mond zur absoluten Enttäuschung macht, sind die Laserwaffen. Laserwaffen sind geil, in jedem Game. Immer. So auch bei TNO. Allerdings muss man die so verdammt oft an irgendwelchen Stationen nachladen, dass es einfach keinen Spaß mehr macht. Einen großen Teil der Spielzeit sieht man dieses Bild:

LASERLADUNG1
Einen Unterwasserlevel gibt’s auch noch; keine Ahnung, warum Wolfenstein sowas braucht und auch nur im Entferntesten glaubt, dass Tauchen gerade in diesem Game irgendwie Spaß macht.
Was echt keinen Sinn ergibt, ist das Health-System. Heutzutage werden Medi-Packs ersetzt durch automatische Regeneration, wenn man einfach sicher in Deckung ist. Wolfenstein denkt sich aber: wir haben ne Street Cred, wir brauchen weiterhin Medipacks. Deshalb wird beides gemischt. Ein kleiner Teil der Hit-Points regeneriert sich von selbst, der Rest muss mit Med-Packs aufgefüllt werden. Die liegen halt aber echt ÜBERALL rum, vor allem hinter sicheren Deckungen. ?.
Die Waffen fühlen sich alle ganz cool an. Gerade die Laserwaffen lassen die Krauts mal schön platzen. Natürlich müssen sie vorher geladen werden.
LASERLADUNG2
Auch Stealthkills mit dem Messer in den Hals der Nazis sind super befriedigend und abwechslungsreich. Stealth ist simpel in diesem Spiel, keine große Herrausforderung, daher kann man ruhig mal einen Abschnitt geduckt beginnen und schauen, wie weit man kommt.
Spaß hat mir der super-geheime Nightmare-Mode gemacht. Eine kleine Reise zurück zu Wolfenstein3D, samt 2D Blumenkübel und Geheimgängen hinter Gemälden.

Die Charaktere des Spiels sind eigentlich ganz nett. Die Nazis kommen als ziemliche Husos rüber und es macht Spaß, sie von hinten abzustechen oder um Gliedmassen zu erleichtern. Der Widerstand hat auch ein paar interessante Charaktere, doch nur einer kann wirklich auf ganzer Linie überzeugen: Max Hass. Der beste Charakter im ganzen Wolfenstein Universum. Hier ein paar Screenshots:


Max Hass ist ein Hodor/Frankenstein-Typ der in seinem Kinderzimmer wohnt und ne Latzhose trägt. Irgendwas muss mit seinem Schädel passiert sein, denn der ist an einer Seite abgeflacht (was total sick aussieht). Er ist auch der einzige, der hin und wieder mal was Sinnvolles macht und einfach die Pläne für eine Mission, die er für viel zu gefährlich hält, versteckt. Natürlich ist er dumm, er kann ja nur Max Hass sagen, und versteckt sie in seinem Kinderzimmer. Nächstes Mal vielleicht doch lieber das Klo runterspülen, Max.

klo

Jedenfalls sind die meisten Missionen gar nicht übel und motivieren, sich auch mal durch die schwächeren Parts durchzubeissen.
Irgendwie hab ich Wolfenstein:TNO dann doch in ca. 9 h auf mittlerem Schwierigkeitsgrad durchgezockt und, ja, mich ganz nett unterhalten gefühlt. Nen drangezimmerten MultiplayerMode gibt’s nicht. Hätte ich vermutlich ohnehin links liegen gelassen.

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