Astebreed

131217_09Drei Faktoren sollten meine Sehnenscheidenentzündung begünstigen:

1. Das Verschriftlichen meiner Reviews.
2. Das Heben schwerster Gewichte, um meinen Trizeps in Form zu halten.
3. Die verkrampfte Haltung meiner Hände beim Zocken von Astebreed.

Astebreed ist ein Shootergame vom Team Edelweiss und sollte übrigens mein erster Download von Playism sein, einer Seite, die sich auf den Vertrieb von japanischen Indie-Games spezialisiert hat. Die Seite ist gut strukturiert. Astebreed war im Angebot, bezahlt hab ich per Paypal und mein Download startete im Browser. Dort findet man außerdem Perlen wie Kero Blaster oder Pink Hour. Das alles spricht dafür, Playism im Auge zu behalten.

Ich mag old-schoolige Arcade-Shooter, allerdings bin ich, was solche Spiele angeht, alles andere als ein Pro. Meine Leidenschaft für dieses Genre erreichte seinen Höhepunkt mit Ikaruga HD. Seitdem muss sich jeder Shooter daran messen. Und da ich einfach nicht meine Fresse halten kann, wenn es um Ikaruga geht, hier nun eine kleine Exkursion. Ikaruga war ein Sci-Fi-Vertikal-Shooter, der sich durch eine besondere Ying-Yang-Gameplaymechanik auszeichnete. Die Idee ist auch mit das genialste, was dem Genre und Videospielen im allgemeinen passieren kann. Durch sie entsteht jedenfalls echt ein Ballett aller erster Sahne auf dem Bildschirm. Des weiteren ist es eines der wenigen Games, in denen ein Co-op-Modus echt mal seinen Reiz hatte und das Spiel bereicherte. Das Spiel zu erklären wäre recht langwierig, hier deshalb nun einige Spielszenen.
Von einer Internetperson.
Welche den Co-op-Mode alleine am Automaten durchzockt.
Eine Hand für jedes Schiff.
Nichts bereitet einen darauf vor, was man im Internet alles sieht:

Laser Galore

Zurück zu Astebreed. Das Erste was einem auffällt, ist die fantastische Optik. Der Style und das Design ist relativ Standard aber, zur Hölle, was auf dem Bildschirm abgeht, ist einfach nur der momentane Gipfel im Shooter-Genre. Dicke Effekte, alles voller Laserstrahlen (!) und noch mehr Gegner. Alles läuft superflüssig und superschnell. Eventuell wirds manchmal etwas unübersichtlich, was den Adrenalinspiegel allerdings steigen lässt (und das ist gut). Bei größeren Attacken hab ich das Gefühl, das Spiel wird ein wenig langsamer, scheint aber Absicht zu sein, denn der Übergang ist weich und das Gameplay wird nicht negativ beeinträchtigt.
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Gerade in späteren Levels gibt es Bosse, die so riesig sind, dass man sich am liebsten in Embrionalstellung in sein Bett kuscheln will. Optische und spielerische Dynamik entsteht auch, weil das Spiel fließend zwischen verschiedenen Perspektiven wechselt. Das Spiel scheint jedenfalls supersauber programmiert zu sein und ich hab keine Fuck-Ups bemerkt. Ich frage mich wie so oft, wie eine Hand voll Entwickler so was Dickes auf die Beine stellen können.

Probleme habe ich mit der Story, aber das ist weniger die Schuld des schlechten Writings, sondern beruht mehr auf meinem Unvermögen der Sache zu folgen. Das Spiel ist sehr japanisch, mit Mechs, Sci-Fi-Story, Anime-Standbild-Zwischensequenzen aka das volle Programm. Ein Großteil der Story wird aber auch während des Gameplays per JAPANISCHER Sprachausgabe erzählt. Und so sehr ich schnell gesprochenes Japanisch liebe, so gering sind Kenntnisse. Freundlicherweise haben die Entwickler an englische Untertitel gedacht. Diese werden auch von mir gelesen, wenn um mich herum nicht gerade 40 Gegner explodieren. Well, es macht aber auch ohne Story Spaß, von daher ist
es zu verschmerzen.

Nach dem optionalen Tutorial (musste ich drei mal machen, um die Mechaniken zu verinnerlichen) und dem optionalen Prolog fliegt man also mit seinem waffenstarrenden Mech ganz dicht über einen Ozean, der so glitzert wie ein Svarovsky-Shop von außen. Wasserfontänen steigen in die Luft, um die Macht und Geschwindigkeit des Mechs zu vermitteln. Und als sei das nicht schon genug der Allmachtsphantasien, holt man gleich die ersten Gegner vom Himmel.

Standardmäßig verfügt man über einen Focus-Shot, der alle Gegner direkt in Front des Mechs mit hoher Feuerrate trifft, und einen Scatter-Shot, der einen größeren Bereich des Bildschirms mit niedrigerer Rate eindeckt. Beide können aufgeladen werden: Während der Focus-Shot schnell einige Gegner in einem begrenzten Gebiet anvisiert (richtet sich standardmäßig nach dem nächstgelegenen Gegner aus), werden beim Scattershot etwas langsamer um so mehr Gegner in einem gewissen Radius anvisiert. Der Erste eignet sich also gut für wenige, starke Feinde, der andere für eine große Ansammlung schwächerer Feinde. Durch diese Technik lassen sich auch Gegner im Hintergrund anvisieren, die mit einfachen Angriffen nicht erreichbar wären.
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Außerdem verfügt man über eine Nahkampf-Attacke mit seinem Roboter-Schwert, was einen ermutigt, mitten in feindliche Gruppen zu fliegen und sie Stahl spüren zu lassen. Gleichzeitig wird die selbe Taste für schnelles Ausweichen genutzt. Mit vollem gelben Balken (ProTipp: füllt sich mit Zerstörung von gegnerischen Schüssen) kann man Spezialattacken einsetzen. Eine davon versorgt den Spieler für kurze Zeit mit kurzfristiger Unverwundbarkeit. Neben dem gelben gibt es noch den blauen Health-Bar, der sich in schadensfreien Intervallen regeneriert.

Leute, die schonmal nen (2D-) Shooter gespielt haben, wissen, dass der Schwierigkeitsgrad oft recht tough ist. Astebreed dagegen ist auf mittlerem Schwierigkeitsgrad relativ nachsichtig und verzeiht viele Fehler, hat faire Rücksetzpunkte und bis zu einem Punkt im späteren Spielverlauf (um genau zu sein im Endgame) absolut keine Hänger. Jo, beim letzten Boss-Feuerwerk musste ich dann, wie eben erwähnt, das Tutorial mehrmals wiederholen, um bestimmte Techniken zu verstehen. Diese werden dann tatsächlich doch noch mal alle bei den letzten Bossen gefordert.

Fast schon unbarmherzig fühle ich mich, Astebreed zu kritisieren. In dem Game steckt so viel Liebe zum Shootergenre, gemixt mit technischer Finesse. Nichtsdestotrotz sollte ich hervorheben, dass die doppelte, timingabhängige Belegung von Tasten den Komfort der Bedienung ordentlich beeinträchtigt. Noch dazu hab ich das Gefühl, nicht gescheit beeinflussen zu können, wo ich lande, wenn ich den Ausweichmove nutze. Und einen aufgeladenen Scattershot in die richtige Richtung zu lenken, ist teuflisch kompliziert.

Leider ist das Game dann auch etwas kurz, aber auch das ist nicht untypisch für Scoreshooter. Das Spiel macht Laune immer mal wieder angezockt zu werden, schon alleine das interessante Combo-System rechtfertigt einen erneuten Besuch in der Scifi-Doujin-Shooter-Welt von Astebreed.

Für Einsteiger ins Genre ist das Spiel gut geeignet, glaube ich, denn ich hatte, zumindest bis ins Endgame keinerlei Probleme. Ich bin mir sich, dieses Game ist auf leicht auch wirklich leicht genug. Außerdem wird man von der puren Action auf dem Bildschirm bei der Stange gehalten.
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Es zeichnet sich durch wirklich coole und durchdachte Ansätze aus. Anflüge von göttlicher Inspiration, wie Ikaruga sie hatte, darf man aber nicht erwarten. Man darf aber auch nicht immer alles mit DER Genre-Referenz messen. Somit ist Astebreed einfach ein wirklich schönes, geschmackvolles Game, das weiß, wie man auf die Kacke haut.

Screenshots: Edelweiss

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