Alter! Gib Jackson!

faustNein, ich bin nicht mysophob. Zum Beispiel halte ich mich, was Nahrung angeht, an die Fünf-Sekunden-Regel, obwohl ich weiß, dass das Blödsinn ist. Ebenso würde ich mir auch ein Tütchen Eis mit Leuten teilen, deren Krankheitsgeschichte mir zumindest grob bekannt ist.

Ich fasse nur nicht gerne fremde Menschen an. Umarmungen mit Mitmenschen sind mir meist ein Graus, Küsschen links Küsschen rechts hat etwas affektiert affiges und Händeschütteln finde ich furchtbar kompliziert. Mal zu fest, mal zu locker, mal zu kurz, mal zu lang. Abgesehen von der Frage natürlich, wann was mit wem angebracht oder völlig daneben ist.
Wer hat sich bloß sowas ausgedacht?

Autor nickt dezent zu.
Autor nickt dezent zu.
Wenn ich der Bestimmer wäre, würde ich als allgemeine Grußformel das dezente Zunicken einführen. Können schon kleine Kinder, wahrt höfliche Distanz und geht auch prima quer über die gesamte Thekenlänge in der Kneipe. Nun bin ich unglücklicherweise nicht der Bestimmer und dezentes Zunicken ist gesellschaftlich nicht akzeptiert bei Leuten, denen man nähersteht als “Grundschule, Parallelklasse, dem Typen sein Cousin” oder mit denen man in der gleichen Geheimgesellschaft aktiv ist.

Also biß ich den sauren Apfel, umarmte, bis mir der Rücken schmerzte, schüttelte Hände, bis sie mir beinahe abfielen, küsste, bis die Lippen in Duckface-Stellung erstarrten.

Vielleicht ist das nun vorbei.

Fistpound2
Die Wissenschaft hat festgestellt, dass ein Fistbump als Gruß fünfmal weniger Bakterien überträgt als Händeschütteln. Das sollte doch Anlass genug sein, diese fürstlich wirkende und zugleich proletarisch-authentische Form der Begrüßung und Respektsbekundung in ihrer weiteren Verbreitung zu unterstützen.

Natürlich bräuchte man dafür einen neuen Ausdruck, um die gesellschatfliche Akzeptanz bei Leuten jenseits der Zwanzig voranzubringen – die gebräuchlichen Wörter “Brofist” und “Ghettofist” taugen aus offensichtlichen Gründen nichts. “Fisten” an sich wäre super, ist aber dooferweise schon mit was anderem belegt. “Knöcheln” klingt auch so, als sollte man es nicht verwenden. Irgendwo im Netz habe ich mal gefunden, dass man in Berlin den Knöchelgruß mit “Gib Jackson!” ankündigt. Ist wahrscheinlich gelogen, aber zu gut, um es nicht zu erwähnen.

Ich glaube, wir bleiben erstmal beim “Knöchelgruß”, bis findige Sprachwissenschaftler etwas besseres ausbaldowert haben. Ich für meinen Teil zieh das jetzt durch, bis die erste Oma morgens im Bus den Busfahrer so begrüßt.

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Zugegeben, das Motiv stammt nicht aus meiner Feder. Es bot sich aber…