Barcelona – Tapas ante portas oder ein sonniger Herbst in Spanien

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Anreise im September

„Ey wie jetzt, im September nach Spanien? Mitsamt Badehose?“ Klar! Neben dem August gehört der September mitunter zu den wärmsten und angenehmsten Monaten in Barcelona. Das erste Mal, als ich in der Stadt war – es war Oktober – hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich nochmal mit Flip Flops und Shirt öffentlichkeitswirksam schwitzen könnte. Mit 23 Grad Wassertemperatur und gefühlten 28 Grad lässt sich der Herbst also sehr gut in der Hauptstadt Kataloniens verbringen. Apropos Katalonien: zur Zeit wird in Barcelona mit der „Estelada“-Flagge fleißig für die Unabhängigkeit der Region demonstriert, weshalb man die typischen gelb-roten Muster überall zu sehen bekam.

La Mercé – 500 Events in einer Stadt

Der September ist übrigens auch der Monat, an dem das Fest der Feste tagt: La Mercé. Seit 1871 ist es offiziell das größte und schönste und größte Stadtfest und wurde als Programm zu Ehren der Schutzpatronin La Mare de Déu de la Mercè ins Leben gerufen. Schon Tage vor dem offiziellen Feiertag, dem 24. September, ist es den Besuchern möglich, überall in der Stadt bis zu 500 Events wie traditionelle Tänze, Showeinlagen, Paraden, Konzerte, Lichtprojektionen und Feuerwerke sowie die weltbekannten Castelleras, die menschlichen Türme zu bestaunen. Die Hauptveranstaltungen des Festivals finden direkt am 24. September statt. Insgesamt dauert das Festival von 19. bis 24. September 2014.
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Unser Weg führte uns im Rahmen des Mercé-Festivals zunächst an die abendliche Placa Espanya und von dort aus an den meistbesuchten und schönsten Brunnen Barcelonas, der Magic Fountain am Placa de Carles Buïgas. Der Brunnen ist Teil der Weltausstellung aus dem Jahre 1929 und ist mit seinen Lichtinstallationen und Wasserspielereien wirklich sehr schön an zu sehen. Von dort aus gilt es wiederum unbedingt den Weg/die Stufen/die Rolltreppen zum MNAC Museum zu nehmen, welches eine unübertroffene Aussicht auf das nächtliche Barcelona zu bieten hat. Der Weg zurück in die Stadtmitte ist in diesen Tagen gepflastert mit Bühnen und Schaulustigen, die die unzähligen Konzerte und Shows bestaunen können. Mit einem Wegbier in der Hand (offiziell ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verboten, doch niemand scheint sich daran zu halten) war es uns so möglich, das nächtliche Barcelona besser zu erkunden. Wie immer gilt aber auch hier: Auf die Taschen und Geldbeutel aufpassen und verlassene Gassen meiden! Das wird jedem Touristen mehrfach ans Herz gelegt, der die Stadt besucht. Barcelona ist, was die Kriminalitätsrate angeht, berühmt berüchtigt.

Ein Nachteil des Mercé-Festivals ist es aber, dass die Bühnen allzu oft genau vor den schönsten Monumenten der Stadt angebracht sind oder das Flanieren über die verschiedenen Plätze und Wege, wie der mit Palmen gespickte Vorplatz des Arc de Triomf, erschweren.

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Kleiner Touri-Guide – zu Land und am Wasser

Eins vorweg: man kann sich die Mühe machen und im Vorfeld eine umfassende Seightseeing-Tour durch Barcelona planen, doch erfahrungsgemäß bietet es sich eher an, spontan durch die wunderschönen Viertel und Straßen der Altstadt zu flanieren oder zu ausgewählten Orten am Stadtrand mit der Metro zu fahren. Die Stadt zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass man zu Fuß und mit etwas Zeit wirklich überall problemlos hinkommt. Auch zum Meer.
An der Barceloneta findet sich beispielsweise die größte Strandpromenade, welche, gepaart mit einem Riesenrad, verschiedenen Gondeltouren (auch über Wasser!), einem riesigen Yachthafen sowie vielen kleinen Souvenirständen wirklich sehr schön anzusehen ist. Übrigens, bei meinem ersten Barcelona-Besuch stieg ich im Equity Point Sea-Hostel ab. Es befindet sich wirklich direkt am Strand und kostet wenig. Dort kann man sich auch an einer der vielen Chiringuitos (Strandbars) Cocktails bestellen und genießen. Ein Muss für jeden, der die Stadt besucht und auch mal gerne ein bisschen länger wach bleibt. Nach Sonnenuntergang empfiehlt es sich aber auch hier, nicht allzu entlegene Strandflecken zu wählen, denn Taschendiebe oder die vielen „Chocolate“-Verkäufer (sprich: Hasch) lauern dann besonders gerne unvorsichtigen Touristen auf. Tagsüber empfehle ich Strandfreunden übrigens etwas weiter raus zu fahren, denn je weiter man aus der Stadt rauskommt, desto besser sind die Strände! Der Strand Nova Mar Bella etwa erwies sich als guter Tip.
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Hier ist der Müll genauso fern wie die unzähligen und nach einer Zeit wirklich nervigen Bierverkäufer. Der feine Sandstrand ist auch ein perfektes ziel für Windsurfer und Surfer, da hier häufig ein kräftiger Wind herrscht. Direkt hinter dem Strand trifft man zudem auf die Werke des Architekten Enric Miralles, im Park Diagonal Mar. Der angeblich schönste Strand befindet sich 30 Kilometer von Barcelona entfernt, in Sitges. Es soll ein regelrechtes Partydorf und ein beliebtes Ziel der Homosexuellen sein und lässt sich vom Bahnhof Estacio de Sants erreichen.
Entlang der Strandpromenade Barceloneta gelangt man mühelos zum El Colon, oder dem Monumento a Colón. Die Columbus-Statue zeugt vom Rapport, den der Entdecker Amerikas der Königin Isabella I und König Ferdinand V in Barcelona erstatten musste, bevor er seine erste Reise zum neuen Kontinent starten konnte. Die Statue markiert zugleich den Anfang der weltberühmten Rambla, der langen und traditionellen Vergnügungsmeile Barcelonas. Sie verbindet den Hafen mit den Vierteln der Altstadt, welche zu ihrer linken (El Raval) und rechten Seite (Barri Gotico, La Ribeira, El Born) zu finden sind sowie dem Placa de Catalunya, dem Zentrum der Stadt. Hier reihen sich massenhaft Souvenirstände, Touristen und auch imposante Schausteller nebeneinader und es gibt immer etwas zu sehen. So zum Beispiel auch die Boqueria Sant Josep, welche sich am oberen Ende der Rambla befindet. Dieser große und schöne mediterrane Markt ist sehr zu empfehlen, da sich hier Erfrischungen und Verköstigungen aller Art für wenig Geld finden Lassen. Hier gibt es kreative Crépes-Kreationen, gereifter Schinken, eine riesige Auwahl an vegetarischen Snacks sowie farbenfrohe Obst- und Gemüsestände! Der Abschnitt der Rambla, auch genannt Rambla de les Flors, ist außerdem bekannt für seine zahlreichen, fest installierten Blumenstände. Für Marktliebhaber empfiehlt es sich sonntags früh aufzustehen, denn zwischen 8 und 14 Uhr könnt ihr auf dem Mercat de Sant Antoni auf Schnäppchenjagd gehen. Ebenso bietet der „Els Encants“, ein Flohmarkt, allerhand Trödel und ist Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags am Stadtrand, am Place les Glories zu finden.
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Die einzelnen Viertel der Altstadt haben jedes für sich ihren eigenen Charakter. Bei Sonnenschein kann man sich gemütlich mit einem Eis auf die Bank setzen und dem Treiben zusehen, oder die unzähligen Gassen, Läden und Stände durchstreifen. Das Born-Viertel bietet beispielsweise sehr gute Einkaufsmöglichkeiten rund um die Carrer Flassaders, oder die Carrer del Rec. Im Barri Gòtic, dem gotischen Viertel, findet sich indes neben architektonischen Schätzen auch das Picasso-Museum, versteckt in einer Seitenstrasse. In den Vierteln der Altstadt rund um die Ramblas finden sich Tapas-Bars, Calva (ein kostengünstiger katalanischer „Champagner“), Mojito-Bars und Cervezerien (spanische Bier-Kneipen) en masse. Die spanische Kultur ist bekanntlich vor allem eine Ess- und Genuss-Kultur, aus diesem Grund sollte man vor 1 Uhr nachts eigentlich nirgendwohin ausgehen, denn um diese Zeit sind wirklich alle noch am essen!
Typisch für Barcelona sind natürlich die unzähligen Werke des Stadtarchitekten, Antoni Gaudí. Die weltberühmten Werke des herausragenden Vertreters der katalanischen Bewegung des Modernisme finden sich in Form von Häusern (Casa Vicens, Casa Batlló, Casa Milà), Kirchen (wie etwa das unvollendete Lebenswerk Gaudís und das Wahrzeichen Barcelonas, die Sagrada Família) und auch verschiedenen Parkanlagen wie der Park Güell in der ganzen Stadt.
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Letzterer bietet dem geneigten Touristen eine vortreffliche Sicht über die ganze Stadt! Hier sollte man sich Zeit und auch genügend Verköstigung mitnehmen, während man durch die Parkanlage schlendert. Weitere empfehlenswerte Straßen und Ecken sind etwa die Carrer Verdi, welche überwiegend von Studenten bewohnt wird, die Avinguda Diagonal, eine 10km lange Prachtstraße, die von Nordost und nach Südwest einmal quer durch Barcelona führt sowie die Passeig de Gracia, welche neben der Rambla die schönste Meile Barcelonas darstellt und durch Prachtbauten im Jugendstil sowie modernen architektonischen Errungenschaften und Design besticht.
Alles in allem habe ich mir fest vorgenommen, noch einmal nach Barcelona zurückzukehren, denn es gibt noch viel mehr zu sehen und zu entdecken. Es ist einfach eine Stadt, wie man sie sonst nur selten findet in Europa: Sie vereinigt beschaulichen und entspannten Flair, mit einzigartiger Architektur und spanischer Kultur, bestes Klima sowie eine perfekte Lage am Meer. Ich möchte jetzt wirklich ungern Queen („Barcelona“) zitieren, aber es erschien mir treffend:

„I had this perfect dream
This dream was me and you
I want all the world to see
A miracle sensation
My guide and inspiration
Now my dream is slowly coming true“

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Mit Dank an Sebastian Minas für Fotos und Text.

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Ich möchte euch hier mal zeigen, wie man auch ganz ohne Vorkenntnisse...