SPIEL’14 in Essen

20141017__EX_9721Die Tore öffneten sich kurz vor 10 und die Hallen füllten sich. Und füllten sich. Es nahm kein Ende. War es im letzten Jahr schon voll, so war in diesem Jahr an manchen Ständen überhaupt kein Durchkommen mehr. Einen freien Platz an einem der Spieltische zu ergattern, war für sich schon ein Glücksspiel.

Die Internationalen Spieltage SPIEL’14 in Essen gelten als die größte Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele. Auf rund 48.000 Quadratmetern, verteilt in fünf Hallen präsentieren deutsche, wie internationale Verlage ihr aktuelles Spielangebot. Aus der Masse hervorstechen, konnte zumindest bei den großen Verlagen in diesem Jahr aber kaum einer so richtig. DAS neue, kreative, unglaublich tolle gab es in diesem Jahr für mich nicht. Dafür aber ein paar

Der Trend zu Crossmedia-Inhalten hält zwar weiter an, dominiert das Spielgeschehen bislang nicht. Den Weg vom Spieltisch zur mobilen Anwendung schlagen dafür aber immer mehr Publisher ein. Wie das aussehen kann, zeigt der amerikanische Computerspiele-Entwickler Harebrained Schemes, der das über Crowdfunding finanzierte Spiel Golem Arcana vorstellte.

Pedibus – Geschicklichkeitsspiele für die Füße
Pedibus – Geschicklichkeitsspiele für die Füße

Kontakt wird auf der SPIEL großgeschrieben. Von dem eher nervigen Körperkontakt mit anderen Besucher_innen im Gedränge mal abgesehen, gibt es in Essen immer wieder die Möglichkeit ein paar Worte mit den Spieleentwickler_innen zu wechseln. Ob Shadowrun- und Golem Arcana-Entwickler Jordan Weisman, Michiel Hendriks, dem Autor von „Das Vermächtnis“ oder Autoren der kleineren Spielverlage, am Rande des Messetrubels hatten sie immer Zeit für ein kleines Gespräch. Letztere präsentierten sich vor allem in Halle 4. Die lag abseits und war nicht so überlaufen wie der Rest der Messe. Vornehmlich ausländische Entwickler und Verlage führten hier ihre Spiele vor, darunter so manch Kuriosität. Hilf anderen Spielern und komm in den Himmel… das philippinische Brettspiel „Walk to Jesus“ gehört dazu, ebenso wie die Fußgeschicklichkeitsspiele „Pedibus“ des Belgiers Benjamin Swine.

„Ebbes“
„Ebbes“
Zwei Spiele erregten dann doch meine Aufmerksamkeit und mussten getestet werden. „Ebbes“ sprang dem Saarländer in mir förmlich ins Auge. Lokalpatrioten lesen jetzt einfach beim nächsten Absatz weiter, alle anderen finden mit „Ebbes“ ein gelungenes Stichkartenspiel mit regionalem Einschlag. Erst im Verlauf des Spiels werden Trumpfkarten, sowie Karten für Plus- und Minuspunkte festgelegt. Die ausgespielten Karten müssen der gelegten Farbe entsprechen, die höchste Karte, bzw. Trumpf gewinnt den Stich. Welche Karte am Ende Punkte bringt oder kostet entscheidet sich jedoch erst während der Runde. In der Basisvariante hängt das noch stark vom Zufall ab und sorgt so für Überraschungen. In der vollen Spielvariante können die Spieler_innen einen gewissen Einfluss darauf nehmen und so dem Spiel taktischen Tiefgang verleihen. Abgerechnet wird zum Ende jeder Runde und die Spielfiguren rücken auf dem Spielfeld vor oder zurück. Wer das Feld – die schöne Pfalz – einmal umrundet hat, oder am Ende aller Durchgänge am weitesten gekommen ist, gewinnt das Spiel. Verlierer müssen auswandern und landen, wenn es ganz schlecht läuft, bei den Dabbscheedeln … im Saarland. Ein spannendes Spiel für drei bis fünf Personen.
„Glück auf“
„Glück auf“

Bereits im letzten Jahr bin ich auf das Brettspiel „Glück auf“ gestoßen und konnte es dieses Mal auch anspielen, als ich einen der begehrten Plätze an den Tischen von Pegasus Spiele ergattern konnte. Das Spiel ist eigentlich im Ruhrgebiet angesiedelt, lässt sich aber wunderbar in die saarländische Kohleregion verlegen. Spieler_innen übernehmen eine Kohlegrube zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In drei Runden verteilen sie ihre Arbeitsschaft auf dem Spielfeld um so an neue Aufträge zu kommen, Flöze zu erschließen, Geld einzunehmen, Kohle abzubauen, zu fördern und abzutranportieren. Mit jedem erfüllten Auftrag gibt es Punkte und die Spielfiguren rücken weiter vor. Am Ende jeder Runde werden die Zechen miteinander verglichen. Es winken Bonuspunkte für bestimmte Kohlesorten, Aufträge, Beförderungswege, etc. Der Einsatz der Arbeiter_innen will geschickt geplant sein. Zu viele Kumpel im Streb und am Ende der Runde fehlt Arbeitskraft beim Transport, die Aufträge können nicht erfüllt werden und die Grube geht leer aus. Auch nach acht Stunden auf der Messe konnte ich keinen Verkaufsstand mehr finden, an dem es „Glück auf“ zu kaufen gab – restlos ausverkauft hieß es da schon am Freitag. Bleibt mir also nur mit das zum nächsten Geburtstag schenken zu lassen.

Links: Weitere Eindrücke von der SPIEL’14

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