Wie es wäre, wenn ich eine Seifensiederei eröffnet hätte

seifensiedereiFestgestellt: wenn ich, wie häufig in den letzten Monaten, des Wohlstands überdrüssig in meinem schlumpfblauen Seidenbademantel gehüllt bei einem Glas Gänsewein auf meinen Balkon in Ferne schauend den Sonnenuntergang betrachte, seufze ich von mal zu mal deutlich lauter. Linnes und Apollon, meine Mopsmännchen, schauen dann irritiert von ihren angenagten Hammelknochen auf, und Rionach, meine vielbetagte Haushaltshilfe, gibt sich Mühe, meine Schwermutsäußerung recht deutlich zu überhören.
Wenn das Klima stimmt, trägt der Schall meinen Seufzer über die Warzenschweingehege in meinem Garten bis zum Teich, wo der Silberreiher mich stolz mit Nichtachtung straft.

Alles an den Haken hängen, drangeben, aufhören, trömmelt es in meinem Schädel, wenn meine Blicke über die gestapelten Schubkarren vor der Garage schweifen, in denen Klienten, Verwandte und Partner ihre Geldscheine bei mir vorbeibringen, oder über die Einmachgläser voll mit Gummibändern, mit denen die Scheine zusammen gefriemelt waren, zum Wiederverwenden bereit.
Einfach mal die Füße hochlegen und mit dem Luftgewehr Eichhörnchen erschrecken. All die Dinge, für die es zu spät sein wird, ist man erst mal zu alt, faltig und tattrig, um das Baikal IJ 61 zu halten. Endlich mal ein Buch lesen/schreiben/wegschmeißen, die alten Winterreifen im Vorgarten verbrennen, solange die Finger noch die Seiten umblättern können und man noch manisch kichernd den Benzinkanister aufbekommt.

Seine Rätoromanisch-Kenntnisse wieder auffrischen und endlich Seven Mantis.Kung-Fu lernen. Kindheitsträume.

Oft erfolgt dann ein zweiter Seufzer, mehrere Dezibel leiser als der erste, denn die Resignation hat am Schwermutspegel gedreht und die Weltsicht wieder gerade gerückt. Die Möpse wollen Hammel und die Haushaltshilfe ihre Venensalbe, die Warzenschweine wollen einen größeren Genpool und der stolze Silberreiher möchte auch noch fachmännisch ausgestopft werden. Wohlstand schafft Verantwortung, denke ich dann immer, und kippe den letzten Schluck Sprudel über den Balkon auf den Marmorweg, der zum Reiherteich führt.

*Dieser Text erschien zuerst im Jahre 2013 im inzwischen leider dahingeschiedenen whywelikeyou-Blog

Mehr checken...
Mehr checken...
Deswegen. (Danke an Tim Kaufmann für den Bildbeweis)