The f-word FRINGE

fringe28Edinburgh. Es ist August. Es ist Festival-Monat und das F-Wort ist unumgänglich. Edinburgh droht zu platzen. Das Fringe dominiert die Stadt. Als ich mich Mitte August durch die gepflasterten Straßen schiebe, ist das Festival in vollem Gange: Comedians, Theaterschauspieler, Dichter, Redner, Musiker und Straßenkünstler. Dieses Jahr sollen es über 3000 Performences sein an über 200 verschiedenen Schauplätzen. Das Fringe bedeutete einerseits große Performances mit Programmkatalog, Ticketverkauf und Sitzplatz. Andererseits ist das Fringe aber vor allem auch free Fringe: Pubs, Kirchen, Container und Brückengewölbe werden zur improvisierten Spielstätte und die Künstler selbst tummeln sich auf der Straße, verteilen ihre Flyer und versuchen jeden zu überzeugen, ausgerechnet zu ihrer Show zu kommen.
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Ich laufe eine Straße ab und habe am Ende 30 Flyer in der Hand. Alles Shows, die innerhalb der nächsten Stunde starten – irgendwo gleich um die Ecke. Ich erinnere mich schon jetzt nicht mehr daran, welche ich eigentlich sehen wollte, gehe einfach zu einer abgelegenen Spielstätte unter einer Brücke. Jeder einzelne Brückenbogen ist mit einer Spanplatte als Tür versehen. Dahinter geben Künstler ihre Vorstellung, davor stehen ein Bierstand und ein paar Bänke. Ich unterhalte mich mit einer Frau über die Shows, die wir schon gesehen haben. Sie selbst tritt dieses Jahr zum ersten Mal auch auf. Ich erfahre, dass das free Fringe Programm nicht einfach jeden auf die Bühne lässt, der gerne Witze erzählt. Ähnlich, aber wohl nicht so streng wie das Programm in den größeren Venues, wird auch das free Fringe scheinbar irgendwie kuratiert und man muss sich als Künstler eine Zu- oder Absage einholen. Ich erfahre auch, dass es wohl nach einem Pay-to-play Prinzip läuft und obwohl diese Gebühr verhältnismäßig gering ist, gibt es kritische Stimmen. Schließlich lebt das Fringe Fesitval davon, die Schwelle für alle Arten von darstellender Kunst niedrig zu halten und jedem eine Bühne zu geben. Und vor allem soll das free Fringe Prinzip dem potentiellen Publikum die Angst nehmen, sich auch auf Shows einzulassen, die wahrscheinlich nicht nach dem eigenen, oder irgendjemandens Geschmack sind.
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Vor einer Spanplattentür steht ein Typ mit langen Haaren und Plautze. Er verteilt Flyer für die Show „Matthew Collins – my favourite waste of time“. Ich frage ihn, ob er Matthew sei, er meint ja, und gleich sei er dran. Ob seine Show denn gut sei? Er meint, nicht schlecht. Das reicht mir als Empfehlung und ich gucke mir die Show an. Eine bessere Strategie werde ich übrigens das ganze Festival über nicht entwickeln, um Vorstellungen zu finden, die cool sein könnten. Deshalb werde ich mir am Ende des Festivals auch nicht nur Shows angeguckt haben, die tatsächlich „nicht schlecht“ sind, sondern auch richtigen Mist.
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Matthew Collins aber hat sich als ziemlich lustig herausgestellt. Nur knapp über zehn Leute sind wir im Publikum und zu Beginn lässt Matthew erst einmal eine halbe Tüte Gummibärchen durch die Reihen gehen. Dann erzählt er von sich und WG-Streichen. Er teilt sich die Bühne mit einem befreundeten Comedian aus Belfast, der Anekdoten aus seiner Zeit als Statist beim Game-of-Thrones Dreh auffährt und Jo-Jo spielt. Am Ende der Show geht, wie bei jeder Performence des free Fringe, der Hut, Eimer, Topf rum. Gezahlt wird was man will, Geld oder nur einen Händedruck. Aber selbst wenn es während der Vorstellung nur zu betretenem Schweigen gereicht hat, habe ich es kaum erlebt, dass jemand nichts in den Hut geworfen hat. Das mag größtenteils wohl daran gelegen haben, dass die Menge zum Untertauchen gefehlt hat und jedes Nicht-Zahlen wie ein Schlag in das zarte, erwartungsvoll blickende Künstlergesicht gewesen wäre.

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