Championship of Wrestling: Big Eppel Battle am 13.05.2017 in Eppelborn

Championship of Wrestling (COW) auf dem Weg in die Oberliga? Es scheint so, denn zum ersten Mal wurde für den Event keine Turnhalle angemietet, nein, der Big Eppel, das Kultur- und Kongresszentrum in Eppelborn, war (wie der Name schon leicht andeutet) Schauplatz des Big Eppel Battles der kleinen, aber feinen Wrestling-Promotion aus Birkenfeld. Insgesamt 250 Zuschauer fanden sich ein, was natürlich auch hieß, dass es diesmal nicht ausverkauft war und ein paar Plätze leer blieben. Aber man fand sich ja auch im Landkreis, nicht in Saarbrücken. Dafür war die Location natürlich wunderschön. Dennoch stand die Veranstaltung unter keinem guten Stern. Mehrere Absagen belasteten die Card, so dass nur sechs Matches übrig blieben. Man tat jedoch sein Bestes, um den Fans einen gelungenen Abend zu bieten. Lustiges Detail am Rande: die Ringglocke war defekt, deswegen improvisierte Zeitnehmer Chris Anhaus eine Ringglocke aus einem Mikrofon und einem Becher. Schon jetzt ein Kultgeräusch.

(Anmerkung der Red: Hier im O-Ton vorgestellt von Oliver Seidel)

Nach der obligatorischen Begrüßung und dem Dank an die Sponsoren, ohne die eine solche Veranstaltung nicht möglich wäre, durch Ringsprecher Oliver Seidel ging es erst einmal storylinetechnisch los. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Alex Wonder, seines Zeichens Herz und Seele der COW ist zum Heel geturnt, das heißt er hat sich der Keel Holding um Saša Keel und Aaron Insane angeschlossen. What…? Ja genau, aber seien wir ehrlich: der böse Heel-Promoter war schon immer ein Publikumsmagnet, sei es Vince McMahon in der Attitude-Era oder Eric Bischoff, der sich der NWO anschloss und natürlich heute Dario Cueto bei Lucha. Aber Mayhem als Face… Nun, funktionierte. Der Held von Birkenfeld hatte ja das Recht ein Match des Abends festzulegen, also entschied er sich für einen „Eppelborn Street Fight“, um Wonder eine Abreibung zu verpassen. Ein Ringrichter war schnell gefunden, doch bevor das Match losgehen konnte, stürmte die Keel Holding Bühne und leider bekam nun Mayhem die Abreibung seiner bisherigen Karriere. Und natürlich durfte Wonder dann seinen Rivalen pinnen. Als sich die Keel Holding dann weitermachen wollte, stürmten jedoch die Farmer Joe, Bern Föhr, Rotation und Jester den Ring und verjagten die beiden. Mit letzter Kraft konnte Mayhem anschließend noch bekannt geben, dass das Tag-Team-Match zum Triple Threat geändert wird. Eigentlich hatte er ja schon sein „ein Match pro Abend“, aber wer will da kleinlich sein. Krass waren die Publikumsreaktionen, tatsächlich war von Anfang an richtig Stimmung und das sollte auch den ganzen Abend so bleiben. Alles wurde kommentiert, dazu gabs einige (zum Teil) lustige Zwischenrufe. Ok, PC ist man hier nicht, wenn einem einer nicht gefällt, wird dann schon mal „schwul, schwul, schwul“ gerufen.

So auch im ersten Match des Abends als Publikumsliebling Jake McClusky gegen Alexander James, den selbst ernannten Prince of Pro Wrestling antrat. Aristokraten haben es immer schwer.Nicht nur als „schwul“ wurde er bezeichnet sondern auch noch als „Pälzer“ und damit erhielt er die schlimmste Beleidigung, die man im Saarland einem Menschen zukommen lassen kann. Zum Glück verstand er das nicht 😉 Dafür muss man dem Ami eigentlich dankbar sein, sprang er doch für Kieran „The“ Bruce ein, der leider absagen musste und gab damit sein COW-Debüt. Bei der letzten Show, die ich gesehen hatte, hatten McClusky und The Bruce ein fantastisches Match gegeneinander und für mich war fraglich, ob dies auch mit Alexander James gelingen würde. Denn die beiden sind sicherlich nicht so aufeinander eingespielt. Doch Pustekuchen… Das Match war ein grandioses Eröffnungsfeuerwerk, dynamisch, ausgeglichen, mit technisch höchst eindrucksvollen Manövern und solider High-Flying-Arbeit. Jeder hätte gewinnen können, doch McClusky hatte am Schluss die Nase vorne.

Als nächstes war ein Triple-Threat-Match dran. Es traten COW-Eigengewächs Medi (der eigentlich ein One-gegen-One-Match gegen Rotation bestreiten sollte) gegen Julian Pace gegen Mike Schwarz an. Mike Schwarz bekam auf Grund seines Kumpel-haften Aussehens (oh, das Wortspiel werdet ihr gleich verstehen) und Petrys Ruhrgebiet sowohl Props als auch Hate. „Scheiße 04“ war zum Beispiel zu hören und natürlich „Saarland asozial“ (sehr beliebt in Punkkreisen), aber gut… Da der sympathische Ruhrgebietler ein Bier mit zum Ring schleppte, hieß es auch „ex ex ex“, dieser Bitte lkam er dann auch nach. Bei seiner Größe kein Problem.

Die beiden Leicht- und Mittelgewichte verbündeten sich erstmal gegen Mike, doch der Friede war natürlich nur von kurzer Dauer. Auch Medi konnte einige schöne Aktionen ansetzen und wird immer besser. Das Timing sollte nur etwas besser sein, damit die Schläge auch richtig klatschen. Pace als Highflyer sorgte für den dynamischen Teil des Matches und konnte auch einige schöne Aktionen verbuchen. Sehr süß war eine Aktion draußen. Der arme Pace musste sich nach einer harten Aktion ausruhen und ließ sich von einem Zuschauer dabei massieren.

Solche Situationskomik gibts auch nur im Pro-Wrestling. Dennoch war Mike Schwarz klar der dominierende Kämpfer im Ring. Schöne Kraftbeweise, unter anderem ein Double-Fallaway-Slam brachten den verdienten Sieg.

Letztes Match vor der Pause war dann TKO gegen Senza Volto. hier ging es um den Nummer-Eins-Herausforderer auf den cOw/WPWI United Titel. Diesen trägt derzeit Juvenile X, der jedoch verletzungsbedingt an diesem Tag pausieren musste. Während TKO ein bekanntes Gesicht in der COW ist, hatte der Franzose Senza Volto heute sein Debüt- Und was für eins: mit der Maske kamen ihm auch direkt die Sympathien zugeflogen, was TKO sicherlich überraschte. Getreu der Maske gab er den fliegenden Luchador und hatte einen echt guten Kampf gegen TKO. Die beiden spielten ihre jeweiligen Stärken gut aus, der Kampf war fair und ausgeglichen. Am Ende siegte TKO. Aber es sollte einen wundern, wenn Senza Volto nicht bald auf dem internationalen Markt mitspielen sollte. Ein fantastisches Match, ohne Frage.

Anschließend war Pause. Diesmal keine „alle Wrestler im Ring und ich Depp dazwischen“-Bilder, sondern die Wrestler standen am merchandise-Stand für individuelle „gib mir Euro und du darfst ein Selfie machen“-Bilder bereit. Dazu gabs Merchandise von günstig bis „25EUROFÜREINSHIRT????“. Die Buletten waren bereits aus und das einzige Essen für Vegetarierer (Tütenchips und Snickers) schienen mir jetzt auch nicht so nahrhaft… Dabei sollte man doch im Zeitalter der Straight-Edge-Wrestler (gelle, Medi?) auch an diese Besucher denken.

Zeit um auf Nadir Mohammedi hinzuweisen, der offizielle Kommentator der WWE und Lucha Underground in Frankreich, der den Weg zur Show gefunden hat, um ein bisschen Promo zu machen. Da merkt man, wie international die Szene mittlerweile ist. Ein Network of Friends (zumindest an diesem Abend). Ganz große Props…


Nach der Pause gings um den Frauentitel der COW. Bereits der Größen- aber vor allem Breitenunterschied machte klar, dass es Herausforderin Amale Winchester (ebenfalls eine französische Wrestlerin) es nicht einfach haben würde gegen die Alpha Female. Doch sie hatte jemanden auf ihrer Seite: Ringrichter Michel Deschamps, der bisher einen guten Job gemacht hatte, konnte seine Zuneigung nichtverbergen und zählze einen ganz klaren Count nicht durch. Aber eine Alpha Female sollte man nicht provozieren und nach einem harten Clothesline ging der Ringrichter zu Boden und der Ersatzschiri zählte den Count dann durch. Das kürzeste Match des Abends, aber durchaus mit Unterhaltungswert.


Danach wurde es voll im Ring: Triple Threat Tag Team, sechs Leute am Start. Zunächst durften Jester und Rotation einlaufen. Danach folgte der immer gut gelaunte Farmer Joe, der seine berühmten Äpfel verteilte und Bernd Föhr, die eigentlich legitimen Champs. Zum Schluss kamen Keel Holding, die die Gürtel bei Rampage (siehe hier) geklaut hatten. Puh, ein ganz schönes Gewusel, schwer die Übersicht zu behalten, besonders für den Ringrichter. Wer da gerade die legalen Gegner waren, konnte man nur schwer beurteilen. Am Anfang waren es die Holding gegen alle anderen, aber naja, irgendwie wollten Jester und Rotation, der durch seine tollen High-Flying-Manöver auffiel, ja auch die Titel haben. Insbesondere Rotation musste allerdings einiges einstecken.

Als Alex Wonder dann versuchte einzugreifen, bekam er auch sein fett weg und die verdiente (?) Abreibung verpasst. Ansonsten ging es hin und her, irgendwann verlor der Ringrichter auch den Überblick. Letztlich gewannen Keel Holding und durften die Titel dann wieder mitnehmen, die sie eigentlich ja beim Einmarsch gar nicht hätten haben dürfen. Ach, Wrestling…

Was nun folgte war der Määääääinnnnn IVÄNT, äh, der Main Event. Es ging nicht um einen, nicht um drei, nein, um zwei Titel. Nämlich den IPW UK Champion und den vakanten cOw Interstate Champion. Letzterer wurde vakant, weil Fabian Aichner der COW nicht mehr zur Verfügung steht. Schmutzige Wäsche will ich keine waschen, halten wir also einfach fest: der Titel ist vakant .Neo-Goth-Wrestler Jimmy Havoc jedenfalls brachte seinen IPW UK-Titel mit. Havoc hatte einen kurzen Run bei TNA, ist aber ansonsten eines dieser unverbrauchten britischen Wrestling-Talente. Dazu npch abseits des Rings sehr sympathisch, wie Dirk „Wrestling ist sein Leben“ Forsters Video beweist:

So viel zum Kayfabe. Ok, wer sich in letzter Zeit mit dem britischen Wrestling beschäftigt hat, weiß, dass die Szene gerade durch die Unterstützung der WWE momentan am Brodeln ist. Er trat an gegen den nicht minderbegabten Tristan Archer, der es unter dem Namen Clement Petiot immerhin zu den Cruiserweight Classics der WWE geschafft hatte. Ein mit Spannung erwartetes Match. Ich rechnete fest mit einem DQ oder einem No-Contest, immerhin müssen beide ja auch bezahlt werden und für weitere Matches zur Verfügung stehen. Dazu kam es aber nicht. Gezeigt wurde stattdessen ein hartes unerbittliches, aber auch sehr faires Match, das zum Teil sogar im Foyer und auf der Theke des Big Eppel ausgetragen wurde.

Tatsächlich konnte sich am Ende Jimmy Havoc durchsetzen, der den Titel nun nach England mitnimmt. Das Match war ein Traum, muss man schon sagen. Sowas sieht man selten aus nächster Nähe. Wie gehts nun weiter mit dem cOw Interstate Champion? Es bleibt spannend…

Ok, Zeit ein Fazit zu ziehen. Man muss sagen, sechs Matches sind eigentlich recht wenig. Doch drei Stunden füllte die Show und ich glaube kein Zuschauer wird enttäuscht gewesen sein. Nein, ich formuliere es anders: Ich glaube kein Zuschauer wird nicht absolut begeistert gewesen sein. Was die Performer an diesem Abend gezeigt haben, spielt ganz oben im Independent-Wrestling mit. Eine klasse Leistung und man stellt sich die Frage: wie wird die COW damit umgehen? Können sie das Niveau halten oder noch besser werden? Es bleibt spannend. Storylinetechnisch bleibt es auch spannend, der Keelturn von Alex Wonder birgt Sprengstoff. Aber ich nehme an, das spielt für die nächste veranstaltung erstmal keine Rolle:

Die nächste Veranstaltung ist etwas ganz besonderes. Am 17.06.2017 findet in der Jahnturnhalle in Birkenfeld die Tributshow One Night for Benny statt. Benny war ein COW-Fan der ersten Stunde, der leider verstorben ist. Der Eintritt ist frei. Eine schöne Geste!

Kommet zahlreich!

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.