Als ich beinahe…50 mark beim Rubbeln gewonnen hätte.

Kuvert mit Kleeblatt

Seit frühesten Kinderjahren bin ich ein großer Rubbellose-Fan. Damals hat man sich um ein Mindestteilnahmealter bei Glücksspielen noch herzlich wenig Gedanken gemacht (genauso wenig wie beim Roth-Händle-Rauchen bei geschlossenen Fenstern im Familienauto – aber das ist ein anderes Thema).

Sporadisch, aber regelmäßig, kaufe ich mir bis heute meist vier grüne Rubbellose zu je 50 Cent und gewinne manchmal ein oder zwei Euro. Oft jedoch rubbele ich das Freilos dreimal auf und gerate dabei immer wieder in die Freilosspirale: In der Schlange anstellen, Lose kaufen, Freilos rubbeln, wieder anstellen, Freilos eintauschen, aufrubbeln, wieder Freilos, wieder anstellen und so weiter und so weiter. Mein persönlicher Rekord, wie lange ich mich deswegen schon im Tabakladen aufgehalten habe, liegt bei 45 Minuten (mit dem Endergebnis „leider verloren“).

Früher jedenfalls gab es nur eine einzige Sorte Rubbellose. Die Grünen. Und die wurden in einem durchsichtigen Plastikkugelbehälter, der aussah wie ein Raumfahrerhelm, auf dem Kassentresen angeboten. Hatte man bezahlt, öffnete man quasi das Visier dieses Helms und fischte sich selbst die entsprechende gekaufte Anzahl raus. Man suchte sich seine Lose selber aus und hatte so sein Glück selbst in der Hand – oder zumindest hatte man das Gefühl.

Im Laufe der Zeit wurden allerdings immer mehr unterschiedliche Rubbellose eingeführt. Neben den grünen „Rubbelstilzchen“ gab es auf einmal das „Goldene Los“, das „Rubbel-Poker-Los“ und zahlreiche andere. Was zur Folge hatte, dass es auf einmal keinen Helm zum Ziehen mehr gab, sondern mehrere akkurate Häufchen, die in einer Reihe direkt unter dem Tresen gestapelt wurden – vom Kunden nur durch eine alte verkratzte Glasscheibe getrennt. Jeder Kunde, der sich von nun an ein Los kaufte, erhielt also von der Verkäuferin immer das oberste Los vom entsprechenden Stapel. Vorbei war’s mit dem Gefühl vom Glück aus der eigenen Hand.

Nun, in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gab es einen einzigen, winzig kleinen Tabakladen, der neben Zigaretten auch Zeitschriften, Süßigkeiten und eben Rubbellose führte. Wenn sich zwei Kunden gleichzeitig im Laden befanden, war dieser mit drei Personen (inklusive der kettenrauchenden Fachverkäuferin) schon hoffnungslos überfüllt.
Übersehen werden konnte man also auf keinen Fall. Auch kein kleines Mädchen, das ich war – mit seinem Taschengeld am Tresen stehend, um sich hoffnungsvoll ein Rubbellos zu kaufen.
Gerade in dem Moment, als ich den Mund öffnen und mein Rubbellos erwerben wollte, kam ein Mann mit Anzug und Krawatte zur Tür hereingestürzt und bestellte ohne Umschweife zwei Schachteln Zigaretten – und ein grünes Rubbellos!

Ich weiß noch, wie sehr ich mich darüber ärgerte und mich fragte, was für ein Arschloch sich vor ein Kind drängelte! Um sich Zigaretten zu kaufen! Und ein Los! Welches er auch direkt vor Ort freirubbelte. Währenddessen konnte nun auch ich mir mein grünes Rubbellos kaufen, das nun das zweite vom Stapel war, statt das erste. Denn das hatte sich der aufgetakelte, vordrängelnde Fatzke ja schon ergaunert – der just in diesem Moment zu jubeln begann. Er hatte 50 DM gewonnen! Mit meinem Los! Ich hätte das gekauft und gewonnen… beinahe!

Foto: pexels.com

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