Championship of Wrestling: Saar Strike am 14.10.2017 in Gersweiler

Zum dritten Mal darf der liebe Gripweed, der normal über Musik bei Away from Life schreibt, die Wrestlingecke übernehmen. Das ist vielleicht ganz gut so, denn die restlichen Redakteure sind ja viel zu involviert und ein nüchternerer Blick tut da ganz gut. Das findet Gripweed ganz gut, denn so kann er sich die Championship of Wrestling-Shows immer aus nächster Nähe ansehen und semi-professionelle Bilder mit seiner Kamera schießen… die an geeigneten Stellen natürlich durch wesentlich professionellere ergänzt werden dürfen.

So, back nach Gersweiler, wo es zuletzt hieß Rampage (ihr erinnert euch? Wenn nicht >>> hier <<< klicken). Also raus aus dem edlen Big Eppel und zurück an die Front. Die kleine Turnhalle in Gersweiler hat auf jeden Fall ihren Charme. Durch den wenigen Platz ist man auf näher am Ring, zum Teil sogar mitten in der Action, wie die erste Reihe wohl bestätigen kann. Zum andern hört man auch alle Anfeuerungsrufe, was sehr zur Stimmung beiträgt. Negativ ist der doch recht enge Platz, insbesondere da manche Reihen noch nicht aufgebaut waren. Und 220 Besuchern war es tatsächlich wieder sehr gut gefüllt. Jeder bekam einen Sitzplatz und dann ging es auch schon los.

Ja, noch fünf Minuten hieß es, doch da kamen schon die Keel Holding in den Saal gestürmt. Wie wild schlugen sie abwechselnd auf Tristan Archer ein, um diesen noch vor seinem Kampf mit Rene Dupree gegen ebenjene Titelträger auszuschalten. Irgendwann kam dann doch noch Rene Dupree in den Ring. So war die Bühne bereitet für den Hauptkampf des Abends. Alex Wonder nutzte den anschließenden Moment um sich als Manager of Champions feiern zu lassen. Doch die Fans ließen sich nicht darauf ein: „Wonder Sucks“ war zu hören, auch Schilder wurden hochgehalten. Mayhem, der Held von Birkenfeld oder, wie er sich hier nannte, das Entzücken aus Saarbrücken (sicher bin ich mir nicht mehr), immerhin habe er hier studiert, betrat die Bühne um seinem ewigen Rivalen entgegenzutreten. Und er bekam auch gleich Applaus für seinen Auftritt. Viel Einfluss hatte er an diesem Abend aber nicht, musste er sich doch gleich in einem Sechs-Mann-Tag-Team-Match zusammen mit Farmer Joe und Bernd Föhr beweisen. Sie mussten ran gegen Marius van Beethoven, Alpha Kevin (bester Wrestlername aller Zeiten!) sowie CoW Guard (schlechtester Wrestlingname aller Zeiten). Pikant: Alpha Kevin und Beethoven sind zerstritten, waren aber an diesem Abend gezwungen zusammenzuarbeiten.

Eine gelungene Exposition, wie ich meine. Die Keel Holding versteht ihr Handwerk, sich als absolute Heels (für Neulinge: die „bösen“ Wrestler) zu verkaufen. Gleichzeitig wurden die Fronten geklärt und auch Wonder konnte seinen Status als Mega-Heel-Manager ausbauen. Die Publikumsreaktionen zeigten recht deutlich, dass das Konzept aufgeht. Er sollte nur aufpassen, dass er mehr McMahon als Eric Bischoff wird oder rechtzeitig den Absprung schafft. Mayhems Rolle dürfte allerdings ruhig noch größer sein. Sein Auftritt endete nämlich nach dem folgenden Match.

Für den unbedarften Leser hier noch ein kleiner Einschub: ich schreibe normalerweise die Matchbeschreibungen im Kayfabe, also so, als ob sie echt wären. Danach kommt noch etwas aus dem Sicht des Smart Marks, das heißt aus Sicht des (vermeintlich) informierten Fans. Belehrungen, wie unlängst bei einem Tippspiel in Wikipedia (für die ich auch schreibe) benötige ich nicht. Ich wähle diese Form damit der Leser nicht in seinem Lesefluss und ich nicht in meinem Schreibfluss gestört werde. Daneben sei auch noch angemerkt: Die Bewertungen der Matches und der Wrestler sind ausschließlich auf meinen Mist gewachsen und wurden nicht von dritter Seite wissentlich beeinflusst. Ich bin nicht neutral und schreibe aus Fansicht. Bemerkungen wie „Machs doch besser“ sind Humbug. Erstens werde ich nicht dafür bezahlt, mich verprügeln zu lassen (übrigens auch nicht für diesen Artikel) und zweitens ist es die Aufgabe eines Kritikers zu kritisieren und die Aufgabe eines Wrestlers zu wrestlen. Ich habe großen Respekt vor jedem, der sich traut, in den Ring zu steigen. Meine Kommentare sind sicherlich auch nicht schlimmer, als man sie auf den einschlägigen Wrestlingseiten liest.

Six-Man-Tag-Team-Matches werden gerne mal unübersichtlich und so war es natürlich auch in diesem Fall. Ich glaube, jeder Wrestler konnte seine gute Seite zeigen und es gab einige schöne Techniken zu sehen. Am Ende durfte das Team um den Alpha Kevin den Sieg davontragen, nachdem es einige Male doch so aussah, als ob das Team um Mayhem siegreich aus dem Match hervorgehen könnte.

Alpha Kevin hatte sicherlich die besten Aktionen. Man merkt ihm an, dass er mit seinen drei Jahren Ringerfahrung noch etwas grün hinter den Ohren ist, aber Timing und Aktionen wirken schon erstaunlich reif. Normalerweise ist er, genau wie sein Tag-Team-Partner Marius van Beethoven, für die wXw tätig Marius hat mit seinen 21 Jahren auch noch viel Potential nach oben, im Team mit Kevin kann er aber auch punkten. Farmer Joe lieferte solide ab und auch an Bernd Föhr gibt es diesmal nichts zu bemängeln. Außer sein neuer Haarschnitt, der ist doch etwas gewöhnungsbedürftig. COW Guard ist noch ein relativer Newcomer. Er hat ja, wie man erkennt, noch nicht mal einen Namen. Ich muss da immer an das Tag-Team Pitbulls denken mit Pitbull #1 und Pitbull #2. Mal sehen, wie der COW-Nachwuchsler sich weiter verkauft. Und Mayhem, wie gesagt, eine größere Rolle hat er imho verdient.

Danach folgte ein sogenannter Three-Way-Dance (drei Männer gleichzeitig im Ring) zwischen Just Nick, CoW-Eigengewächs Medi und dem wXwler Timo Zimone. Alle drei noch relative Newcomer. Am Anfang verbündeten sich Just Nick und Medi gegen Zimone, doch bei so einem Three Way Dance brechen Allianzen relativ schnell. Medi sah sich zu dem folgenden Satz genötigt: „Wir beide kämpfen fair, doch ich werde alles tun um zu gewinnen.“ Ein großer Satz, doch leider sollte Just Nick den Sieg davontragen und konnte Zimone nach einigen guten Aktionen pinnen. Doch Medi gratulierte ihm. Eine faire Geste.

Sicherlich das schwächste Match auf der Card, aber dennoch sehr unterhaltsam. Alle Beteiligten waren aber sehr motiviert und es gab einige schöne Aktionen zu sehen. Besonders Zimone und Just Nick taten sich sehr hervor.

Als nächstes gabs das erste Titelmatch. Mike Schwarz stellte seinen CWE Extreme Aggression Championship zur Verfügung. In einem Hardcore-Match ging es gegen Michael Isotov, der auch zur Keel Holding gehört. Es ging nicht nur um den Titel, nein, es ging auch um das, was dem Mike Schwarz am liebsten ist, nämlich um Bier. Im Falle einer erfolgreichen Titelverteidigung gab es dieses nämlich für 1,50€ statt 2€ bis nach der Pause. Wenn das mal nicht die Fans auf seine Seite brachte, dann auf jeden Fall seine grundsympathische Ausstrahlung. Wie der ECW-Sandman oder Stone Cold Steve Austin prostete er mit dem Publikum. Danach ging es mit Gymnastikstäben, Kegeln und Diskus und natürlich mit Stühlen zur Sache. Und natürlich konnte sich der Riese aus dem Ruhrgebiet durchsetzen.

Hardcore-Matches sind eigentlich nur gut, wenn es auch „Hardcore“ zur Sache geht. Bei den vielen Kindern wäre das aber vermutlich nicht so toll gewesen. So artete das Match doch arg in Klamauk aus, insbesondere durch den Einsatz der Frisbeescheiben. Wrestlerisch würde ich es als solide bezeichnen und einige Lacher waren gut platziert. Dennoch kein Highlight. Immerhin gabs das Bier günstiger.

Vor der Pause kam es zu einem weiteren Titelkampf. Der CoW-Ladies-Titel stand auf dem Programm. Alpha Female, unter ihrem richtigen Namen Jazzy Gabert zwar nicht erfolgreich im Sinne des Wettbewerbs beim Mae Young Classics, aber doch beachtet und gefeiert. Btw, alleine wegen diesem famosen Turnier lohnt sich ein Zugang zum WWE-Network. Und hier im Saarland hat sie die Herzen der Zuschauer ebenfalls im Sturm erobert. Warum? Hier stimmt das Gesamtpaket: Powerhouse, In-Ring-Performance und sympathisches Auftreten. Es ging wieder gegen Amale Winchester, die für die verletzte Melanie Gray einsprang. Wie bereits beim Big Eppel Battle (wer sich nicht mehr erinnert >>> hier <<<), stand ihr ein verliebter Referee im Weg. Im Falle eines körperlichen Angriffs machte dieser der guten Jazzy klar, dass sie dann automatisch den Titel verlieren würde. Und Gründe für einen Angriff lieferte er einige: langsames Anzählen, gar nicht Anzählen, sich beim Anzählen die Hand verletzen, der armen Dame Wasser sreichen, statt auszuzählen… Jazzy hatte keine Chance zum Zug zu kommen. Gerade noch konnte sie einer Niederlage entkommen, nachdem er für Amale normal anzählte. Doch sie gab nicht auf. Irgendwann versuchte ein Ersatzschiedsricheter die Situation zu lösen und geriet in ein Gerangel mit dem eigentlichen Referee. Erst ein dritter Referee machte dann die Titelverteidigung perfekt. Am Ende zeigte Jazzy dann noch ihre mitfühlende Seite und ließ zwei Kinder an ihrem Erfolg teilhaben. und diese jubelten auf ihren Schultern sichtlich mit.

Quasi eine Neuauflage des Matches beim Big Eppel Battle, sehr unterhaltsam und tolles wrestlerisches Können. Das Zuschauen machte einfach Spaß. Man munkelt ja, dass Alpha Female bald für Größeres bestimmt sei, aber noch ist alles ungewiss. Für die CoW sicherlich ein herber Verlust. Aber seien wir realistisch: diese Dame ist für Größeres bestimmt.

— Pause —

Für den Vegetarier gestaltete sich die Pause schwierig. Wer keine Lust auf Hackbraten oder Fleischkäseweck hat, der konnte nur von dem verbilligten Bierpreis profitieren. Was bei solchen Pausen immer cool ist: egal ob Heel oder Bösewicht, alle Wrestler stehen bereit. Stars zum Anfassen. Und alle sind supernett. Es ist schön, dass das Kayfabe in diesem Bereich keine Rolle spielt und niemand „In Character“ auf den anderen einprügelt oder dem Publikum unwirsch begegnet.


Anschließend stand das cOw/Wpwi United Titelmatch Ju Venile setzte seinen Titel gegen TKO und Senza Volto, dem Ausnahmetalent aus Frankreich, aufs Spiel. Es handelte sich um ein echtes Spotfest (schnelle Abfolge von choreografierten und außergewöhnlichen Moves, aber ohne wirklichen Aufbau). Das gefällt zwar nicht jedem, ist aber für das Publikum toll. Schließlich sieht man einige doch recht krasse und gefährliche Aktionen. So gab es mehrere Saltos und Moonsaults zu sehen und natürlich die obligatorischen Sprünge durch und übers Seil auf den draußen stehenden Gegner. Gefährlich, aber natürlich sehr beeindruckend. Letztlich konnte sich TKO durchsetzen und wurde damit neuer Champion.

Sicherlich ein hochkarätiges Match, dass einige Zuschauer mit offenem Mund dastehen (oder besser dasitzen) ließ. Das einzige Problem ist die Verwässerung der Moves.Wenn einer erst mal aus 3 Meter Höhe auf einen runterkracht und d dann springt er auf und macht diese Aktion, dann steht der dritte wieder auf… Dann ist eigentlich kein Move wirklich effektiv und man hangelt sich durch ein Match voller Technikhöhepunkte. Andererseits, man sieht halt schon große Aktionen. Und das Match bleibt spannend. Wie gesagt, als Old-School-Fan… Zwiespältig. Aber ohne Frage, das bisherige Highlight des Abends.

Danach hieß es Rotation und Julian Pace gegen die Pretty Bastards (Maggot und Prince Ahura). Wie man schon an der Paarung sieht: ein eingespieltes tag-Team gegen ein zusammengewürfteltes Team. Dazu noch Technik gegen Power. Wobei Rotation schon sehr viel Ringerfahrung besitzt und einen Pace mit gerade mal 21 Matches (laut Cagematch) durchaus mitziehen kann. Wobei Ahura Kidd auch noch nicht so lange im Geschäft ist. Maggot und Ahura Kid konnten sich letztlich durchsetzen.

Eine gute Erholung nach dem doch recht anstrengend zu verfolgenden Match zuvor. Obwohl Rotation und Pace auch ordentlich Gas gaben. Ein schönes Match, das Hunger auf den Main Event machte. Aber zunächst galt es noch dem einzigen „normalen“ Match des Abends zu folgen. Also 1-gegen-1 ohne Sonderregeln.

Powerhouse Maveric Cross trat gegen Highflyer Tommy Blue Eyes an. Das Mach war sehr ausgeglichen, am Ende siegte Tommy Blue Eyes, wobei ein Missile Dropkick vom obersten Seil als Finish jetzt nicht so viel hermachte.

Eine sicherlich gelungene Paarung, aber aus meiner Sicht etwas farblos. Cross steht erst seit drei Jahren im Ring, liefert aber sauberer ab als Tommy Blue Eyes. Beide waren auch engagiert, ohne Frage. Aber so richtig zündete das Mtach nicht, auch nicht beim Publikum. Warum das Match so spät in der Card kam, ist mir nicht so ganz verständlich. Als zweites Match wäre es sicherlich prima angekommen. Man hätte auch bequem ein anderes Titelmatch an dieser Stelle platzieren können. Schließlich folgte doch danach der Main Event.

Rene Dupree und French Revolution Tristan Archer gegen Saša Keel und Aaron Insane. Ein Franzose und ein Franko-Kanadier als Bayfaces, das geht auch nur im Saarland. Nach einer starken Eröffnung gerieten die Favoriten ins Hintertreffen und kämpften um jeden Wechsel, während die Keel Holding einen unfairen Move nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelte, um eben jenen Tag zu verhindern. Wie immer ging das Tag-Team-Match dann irgendwann in kreatives Chaos über. „Manager of Champions“ Alex Wonder bekam dazwischen auch eins „auf die Fresse“, wie Mike Schwarz sagen würde. Doch für alle überraschend verhinderte Rene Dupree dann den klaren Sieg für sein Team. Anschließend ließ er sich als neues Mitglied der Keel Holding feiern. So wurde das Publikum nach Anstandsapplaus für Archer mit einem negativen Ausgang in die Saarbrücker Nacht entlassen.

Das Match war wirklich der Hammer. Insbesondere Saša Keel gefällt sich in der Rolle des Heels und spielte toll mit dem Publikum. Dass das Team um Dupree nix reißen konnte, war klar, denn Dupree ist doch eher in seiner Heimat Kanada und in Japan aktiv. Trotzdem toll, dass der ehemalige WWE-Star den Weg nach Deutschland gefunden hat.Übrigens einer von nur zwei Deutschland-Gastspielen in 2017 und das zweite Mal seit 2009. Das Finish war daher gut gewählt. Und mit dem für das Publikum unerfreulichen Ausgang wurden auch die Weichen für den Jahresabschluss Final Battle gestellt. Hier das Plakatmotiv:

Fazit: Bisher ist es der COW geglückt, jedes Mal, wenn ich dort war, eine gelungene Veranstaltung abzuliefern. Diese hat mir noch besser gefallen, als die Big Eppel Battle. Das lag vor allem auch an den Publikumreaktionen und der Stimmung vor Ort. Es machte einfach Spaß den Talenten zuzuschauen, bei den Matches mitzufiebern, „seine“ Wrestler anzufeuern und auch die Leistung der „Gegner“ anzuerkennen. Ich freue mich sehr auf den 25.11. (wenn ichs richtig im Kopf habe) und auf die Final Battle des Jahres… COW – Danke für einen tollen Abend!

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Seit frühesten Kinderjahren bin ich ein großer Rubbellose-Fan. Damals hat man sich…