Als ich beinahe…unter die Hobbyfotografinnen gegangen wäre.

Meine Freundin und Arbeitskollegin Rebecca erzählte mir eines Tages, dass sie sich eine neue Kamera kaufen würde. Nicht, dass ihre alte nicht gut wäre oder nicht mehr funktionieren würde. Im Gegenteil – sie hatte alles, was sich die geneigte Fotografin wünschen würde.

Und eine gute Fotografin war sie! Allerlei Hochzeiten, neugeborene Babys und sonstige kreative Ideen wurden mit dieser Kamera schon ins rechte Licht gerückt und auf fotografisch höchstem Niveau festgehalten.

Ich erwähne das extra, um das professionelle Level der Kamera einerseits und die damit einhergehenden vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten andererseits zum Ausdruck zu bringen. Einstellungen zur richtigen ISO-Beleuchtung und Verschlusszeit, Fokussierung, Blende und so weiter, von denen ich bis dato nur bedingt jemals etwas gehört hatte.

Jedenfalls war meine Freundin Rebecca irgendwann der Ansicht, dass es nun Zeit für ein neueres Kameramodell wäre und fragte mich, ob ich denn kein Interesse hätte, ihr ihre alte Kamera abzukaufen. Schließlich bombardierte ich sie doch schon seit längerer Zeit ständig mit allen möglichen Foto-Ideen, die ich gerne umsetzen würde, und schwärmte ihr regelmäßig vor, was ich Tolles fotografieren würde, wenn ich doch nur eine adäquate Kamera hätte. Ein ganzes Notizbuch – beschriftet mit „abgefahrene Foto-Ideen“ – hatte ich schon vollgeklebt.

Kurze Rede, langer Sinn – natürlich kaufte ich ihr ihre alte Kamera ab. Ich hatte voll Bock!

Wenige Tage später ging es auch schon los, und wieder war es Fred, der nicht nur alle meine wunderbaren Ideen gut finden, sondern auch enthusiastisch mitmachen musste.

Wie es der Zufall will, beschäftigte sich Fred bereits seit geraumer Zeit mit der digitalen Fotografie (seit er nämlich beinahe mal eine Rucksacktour durch Süd-Ost-Asien gemacht hätte…), und so war nichts naheliegender, als dass er mich in die komplexe Welt der Kameraeinstellungen einführen sollte.

Frohen Mutes also zogen wir frühmorgens schon los durch die beschaulichen Einliegerstraßen des kleinen Ortes, in dem wir wohnten. Fred vorneweg, inbrünstig referierend, ich hinterher, mit einem Notizbuch bewaffnet und fleißig mitschreibend.

Auf außenstehende Beobachter müssen wir ein bisschen gewirkt haben wie Sherlock Holmes und Dr. Watson, die da hintereinander durch die Straßen schlichen: „…Oh, interessant! Eine Blume! Ich notiere… sonnig wie heute: ISO 100… hier drehen, wenn ich näher rangehen will…“

Am Ende des Tages jedenfalls hatte ich ein volles Notizbuch, das bis ins Kleinste beschrieb, welche Einstellung bei jeder erdenklichen Gelegenheit zu wählen ist. Und das, ohne ein einziges Foto selbst gemacht zu haben.

Theoretisch wusste ich also genauestens Bescheid – es konnte losgehen! Meiner Hobby-Fotografen-Karriere stand nun nichts mehr im Weg. Ab morgen würde ich die geilsten Fotos machen! Alle bisher zusammengetragenen „abgefahrenen Foto-Ideen“ aus meinem Notizbuch endlich umsetzen!

Hach!

Oder übermorgen!

Sechs Monate später fragte meine Schwester mich, ob ich nicht noch die olle Kamera hätte, die ich Rebecca seinerzeit abgekauft und die doch nur im Schrank verstauben würde, und ob ich ihr diese für ihre Asien-Reise leihen könnte.

Das war vor fünf Jahren.

Der Rest ist klar… als ich wieder mal beinah!

Foto: www.pexels.com

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Final Battle? Was das wohl heißt? Nun, zunächst einmal handelt es sich…