Championship of Wrestling: Final Battle am 25. November 2017 in Gersweiler

Final Battle? Was das wohl heißt? Nun, zunächst einmal handelt es sich um die letzte Veranstaltung des laufenden Ringjahres. Championship of Wrestling (CoW) geht in die verdiente Winterpause, nur um am 10. Februar 2018 bereits mit der nächsten Veranstaltung aufzutrumpfen. Das nächste Ringjahr wird vermutlich noch spektakulärer, als das diesjährige, ist doch auch eine Tour zusammen mit German Hurricane Wrestling (GHW) geplant. Doch Final bezieht sich auch auf etwas weiteres: es ist die letzte Veranstaltung, an der sich Jazzy Gabert, den deutschen Fans besser bekannt als Alpha Female beteiligt. Der ein oder andere wird es mitbekommen haben: das Muskelpaket ist letztens auch bei MMA-Fights angetreten und bei der WWE-Veranstaltung Mae Young Classic. Es sieht also so aus, als würde sie nun in den US of A ihr Glück versuchen. So gings dann heute im Hauptkampf um „ihren“ Titel.


Aber zunächst gab es noch mehr Ring-Action zu überstehen. Im ersten Kampf des Abends traten der sympathische Bösewicht Alpha Kevin, Blackwell (ja, der ehemalige COW Guard hat sich den letzten Bericht zu Herzen genommen, siehe auch hier) und der unsympathische Bösewicht Marius van Beethoven (zusammen mit Alpha Kevin auch als Reich und schön bekannt), hatten es mit Farmer Joe und Bernd Föhr zu tun. Mhm, 3 gegen 2, etwas unfair, aber im Wrestling durchaus gängig… Aber Farmer Föhr hatten durchaus noch ein As im Ärmel, nämlich den Held von Birkenfeld… doch der hat leider die Promotion verlassen… Was tun also? Zum Glück nahte Hilfe von Medi, den die beiden „spontan“ zu einem Match überreden konnten. Wie die Sympathiepunkte verteilt waren, konnte man dann gleich am Applausometer feststellen, das bei FarmerFöhrMedi ziemlich klar ausschlug, aber auch bei Alpha Kevin, dem man nachsagte, er wäre nicht der hellste Stern von allen. Doch in der Gunst des Publikums lag er ganz oben… Das sorgt natürlich für Eifersucht im eigenen Team

Auch wrestlerisch sollte er einige Akzente setzen, unter anderem einen Fisherman-Suplex gegen Farmer Joe. Nicht ganz einfach bei dem Schwergewicht. Auch während des Kampfes gab es immer wieder Reibereien zwischen Kevin und dem Rest des Teams. Das machte es FarmerFöhrMedi dann doch relativ einfach, die drei zu besiegen, spielten sie doch auch die Rivalitätskarte gut aus. Nach einem Six-One-Föhr (oder Föhr-One-Nine?) gegen alle Beteiligten war dann auch Schicht im Schacht. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle die Leistungen von Medi und Blackwell, die ja noch nicht so lange „pro“ sind und gut in ihre jeweiligen Teams passten. Das erste Match muss ja auch immer ein Knaller, aber kein Showstealer sein, so dass die Eröffnung sehr gelungen war.

Darunter litt aber etwas das folgende Match, bei dem Gefreiter Weber und Arash gegeneinander antraten. Zwar ist deren Fehde in der GWF bekannt und gerüchteweise auch in der CoW angelangt, doch strafte das Publikum das eigentlich ziemlich okaye Match mit relativ wenig Applaus. Keine Ahnung, die beiden gaben sich reichlich Mühe, für Stimmung zu sorgen, wurden aber doch ein wenig ignoriert. Aber es ist auch schwierig, das Eröffnungsmatch zu toppen. Sieger war Gefreiter Weber.

Spannender war es dann wohl bei Tommy Blue Eyes vs. Maveric Cross. Beide traten auch schon bei Saar Strike gegeneinander an, konnten ihre Fehde aber dort nicht beilegen. Damals gewann Tommy Blue Eyes, diesmal konnte sich Maveric Cross in einem sehr harten, technisch anspruchsvollen Match durchsetzen. Ein schöner Kampf! Am Ende sollte es noch zu einem versöhnlichen Ende kommen, denn Tommy Blue Eyes bot einen Handshake an und reckte die Hand des verdienten Siegers in die Höhe. Doch der Kuschelkurs ist nicht Sache der Keel Holding, die den Ring stürmte und beiden Kontrahenten ein paar verpasste.

Und schon war man mitten drin im nächsten Match. Die Keel Holding (diesmal anwesend Sasa Keel, Aaron Insane und Michael Isotov) dominiert die cOw schon seit geraumer Zeit. Unter anderem halten Sasa Keel und Aaron Insane die Tag-Team-Gürtel, nicht zuletzt durch die Unterstützung des machtgeilen Promoters Alex Wonder. Auch dieser bekam sein Fett weg. Die Gegner kamen nämlich auch zum Ring und das waren zunächst einmal Jester, der wahnsinnige Clown und einer der letzten cOwler der ersten Stunde, und der ultrasympathische Mike Schwarz, ein exzellentes Babyface aus dem Ruhrpott und auch cOw-erprobt. Sie hatten ihren Überraschungsgast dabei: Carnage war der Mysterypartner. Danach folgte noch etwas Interaktion mit dem Publikum, unter anderem wurde eine der riesigen Hände in den Ring geworfen, die gleich auch eingesetzt wurde. Und schon gings los. Was jetzt geboten wurde, war unbeschreiblich. Man wusste gar nicht, wo man hingucken sollte. Das Match war hart und sehr intensiv. Es ging hin- und her, insbesondere eine Aktion blieb im Gedächtnis haften:

Auch sehenswert ein Sieben-Mann-Suplex aller Beteiligten. Sieben Mann? Ja, der Ringrichter half auch noch mit.

Bester Spruch: „Du hast dein Haargummi verloren, du Muschi“, Keel gegenüber einem männlichen, kurzhaarigen Zuschauer. Wow, mit Sicherheit das beste Match, was ich je im deutschen Wrestling gesehen habe. Wrestlerisch, vom Unterhaltungsaspekt her und auch storylinetechnisch hat alles gestimmt. Sasa Keel ist sicherlich einer der besten Heels im deutschsprachigen Raum. Am Ende gewannen natürlich die Guten, so dass diese Fehde nun in die nächste Runde ging. Den Jester provozierte die Verlierer des Abends. Darauf Sasa Keel: „Ich schneid‘ gleich das Kind hier auf!“, was das angesprochene Kind jedoch nicht ganz so ernst nahm. Jedenfalls ließ Jester dann die Bombe für das nächste Tag-Team-Match um den Titel platzen: er wird mit Joey Ryan (Lucha Underground) antreten. Schlagartig wich jegliche Farbe aus den Gesichtern der besiegten und die drei trippelten von dannen.

Danach war Pause mit Wrestlerfotos für’n Zehner. Naja, wurde genutzt. Der Rest durfte danach mit den anwesenden Stars fachsimpeln und sich den ein- oder anderen Merchandiseartikel schnappen.

Mit TKO vs. Oliver Carter gabs dann das erste Titelmatch. Es ging um die cOw/WPWI United Championship, den TKO hält. Technisch auf jeden Fall ein starkes Match, auch wenn man den Worten des Ringsprechers nicht so glauben schenken sollte. Das Niveau des Matches davor wurde sicherlich nicht erreicht, obwohl Oliver Carter schon recht stark war.

Danach ein weiteres Debüt: Carsten Crank (die kunstaffinen Menschen werden ihn vielleicht auch als Schauspieler des Nationaltheaters in Mannheim kennen) gegen den Schotten Jack Morris. Für letzteren ist es nicht nur die cOw-Premiere, nein, auch nicht die nur die Deutschland-Premiere, sondern gleich der erste internationale Auftritt. Denn eigentlich ist er bisher nur für schottische Ligen angetreten. Er hatte es recht, nun ja, schwer mit dem Schwergewicht Carsten Crank, der nach dem Motto „Masse ist Macht“ agiert. Man kennt ihn in cOw-Kreisen sicherlich durch sein Engagement bei der FARK und bei der Charity-Veranstaltung One Night for Benny Und diese Masse triumphierte dann auch an diesem Abend. Dennoch: Morris wird im Gedächtnis bleiben. Ich hoffe, seine internationales Debüt wird nicht das letzte sein, was wir von ihm gesehen haben.

Cash Money Erkan hatte es dann mit Orlando Silver zu tun. Der mexikanische Wrestler überzeugte durch innovative Submissionmoves, musste sich aber dem Hünen Cash Money Erkan dann doch geschlagen geben. Ein unterhaltsames Match.

Anschließend war Main-Vent-Time. Alpha Female setzte in ihrem letzten Match den Titel gegen Dauerkonkurrentin Melanie Gray aufs Spiel.Und das in einem Street Fight. Oh ja, zunächst wollte sich Melanie vor der Herausforderung drücken, wurde aber bei der Abreise von Jazzy aufgehalten und zurück in die Halle geprügelt. Danach ging es mehrfach in die Zuschauerränge. Es ging hin und her, wie es sich gehört. Auch in den Backstage. Irgendwann gelang es Melanie Jazzy auszuknocken und einen klaren Pin durchzuziehen. Doch der Ringrichter Michel Deschamps zog den Count nicht durch. Er, der sonst immer gegen Alpha Female gereft hatte, turnte also sozusagen Face… Das dürfte er aber kurz darauf bereut haben, denn Melanie knockte ihn aus…

… und zerrte den nächsten Ref hinaus. Und weiter ging die Action, denn natürlich kehrte Alpha Female dann zurück und letztlich konnte sie ihren Titel, sehr zur Überraschung von Wrestling-Insidern verteidigen. Denn eigentlich ist es uso, dass der Star, der die Promotion verlässt, a) seinen Titel abgeben muss und b) das letzte Match verlieren muss (legendär: Ric Flairs WWF-Abgang Mitte der 1990er als er für Mr. Perfect den Job machte, der aber verletzungsbedingt dann gar nicht davon profitieren konnte. Nicht so hier. Und das war Jazzy auch einen Schmatzer an den gar nicht mehr korrupten Ref wert. So verlor der Jacked Ref zum zweiten Mal das Bewusstsein, diesmal aber vor Freude. Danach kam es wirklich zu herzerwärmenden Szenen, als auch Alex Wonder aus der Rolle fiel und sich herzlich bei Jazzy bedankte und ihr einen extra angefertigten Ladies-cOw-Titel zum Abschied überreichte und sie gleichzeitig als erstes Mitglied der cOw-Hall-of-Fame vorstellte. Da sag noch einer, dass Emotionen und Wrestling nicht zusammen gehören. Ich bin mir sicher, das der ein oder andere Fan auch Pipi in den Augen hatte. Auch der Rezensent war sehr gerührt. Gut, der Wrestling-Purist wird vielleicht diesen Kayfabe-Bruch mit dem MSG Incident vergleichen, aber in Zeiten, in denen Kane Fotos mit Edge per Twitter postet (als dieser ersteren noch dazu brachte seinen eigenen „Vater“ umzubringen, ach, silly wrestling, isn’t it?) oder Formate wie Ride Along quasi ein einziger Kayfabe-Bruch sind, da wird der deutschen cOw eine Verneigung vor ihrem größten Star sicherlich noch möglich sein.

Fazit: Schon peinlich, bei jeder Veranstaltung zu schreiben, dass es die bester Veranstaltung der cOw war, aber es ist leider so. Mindestens zwei Matches hatten Weltniveau, auch wenn ein paar Klamauk-Einlagen dabei waren. Der Rest war solide, ohne Stinker, es gab keine größeren Botches und nur ganz wenig Timing-Probleme. Dazu einige Aktionen, bei denen man nur WTF? schreien konnte. Dazu Emotionen und ein begeistertes Publikum. Eine Wahnsinnsveranstaltung! Mal gespannt, wie es im neuen Jahr weitergeht und wie man den Weggang von Jazzy verkraften wird. Spannend sicherlich auch die gemeinse Tour mit GHW. Wir bleiben am Ball!

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