Championship of Wrestling: Time to Wonder in Walpershofen am 26. Mai 2018

Boah, ist das schon lange her, sogar eine weitere COW-Veranstaltung, an der ich leider nicht teilnehmen konnte, hat zwischenzeitlich stattgefunden. Ich hoffe dennoch, den ein oder anderen für diesen Bericht begeistern zu können, denn für die COW war Walpershofen auf jeden Fall ein großer Schritt nach vorn. Die Köllertalhalle, in der die Veranstaltung stattgefunden hat, war bereits mehrere Wochen vor der Veranstaltung ausverkauft. Die lokale Presse berichtete darüber, insbesondere, weil der Ortsvorsteher sich mit Alex Wonder himself angelegt hat. Wrestling in der Provinz at its best. Dazu muss man wissen, dass Walpershofen mit seiner Nähe zu Köllerbach auch im Ringerbereich (dem amerikanischen Amateur-Wrestling sozusagen) aktiv ist. Und so wars dann auch vor Ort recht voll und bei den sommerlichen Temperaturen auch sehr warm. Für die Wrestler sicherlich auch ziemlich hart. Während den Kämpfen konnte man sie daher auch relativ häufig vor der Halle beobachten.

Der Opener des Abends war auch schon gleich das erste Highlight. Es ging um den cOw/wpwi United Titel. Gegeneinander an traten der amtierende Champion TKO und Herausforderer Jake Mc Cluskey. Ein technisch höchst anspruchsvolles Match mit zahlreichen Kontern und Near Falls (knappes Anzählen). Letztlich konnte sich der amtierende Champion durchsetzen.

Anschließend betrat Alex Wonder zusammen mit seinem Bodyguard Blackwell den Ring. Stolz präsentierte er sein FC Reigelsberg-T-Shirt (Respekt übrigens für das Praktiker-Logo). Damit machte er sich im SV Walpershofen-Camp sowieso keine Freunde. Aber das hatte er auch nicht vor: Er begann Ortsvorsteher Werner Hund zu verhöhnen, der noch nicht vor Ort war. Er hatte ihm Geschenke mitgebracht, unter anderem Rheumasalbe, eine Volksmusik-CD und natürlich eine Krücke, die er nach dem Match gegen ihn sicherlich benötigen würde. Der Auftritt war echt sowas von genial, ich hab mich ob des Overactings des bösen COW-Bosses gar prächtig amüsiert.

Wie fies der gute sein kann, konnte man an dem nachfolgenden Match sehen: Die Rookies Leon und Rick hatten um ein Match gebeten und erhielten dieses auch: nämlich gegen Drake Destroyer. Nun denkt man ja: 2 gegen 1, ein Handicap-Match… Selbstredend wurde hier quasi die Braun-Strowman-Karte ausgespielt (WWE-Fans wissen, was ich meine). Und so vernichtete das „Monster among Men“ die beiden Rookies, ohne dass diese eine gescheite Aktion anbringen konnten. Zur Demütigung des Abends wurden sie dann auch beide gleichzeitig gepinnt. (Im Übrigen ein Initiationsritus, den viele Rookies über sich ergehen lassen müssen. Wer noch eine alte SWO-Aufnahme hat, wird dort auch irgendwo den guten Alex entdecken).

Wie man die Sache richtig macht, durfte dann Jenna unter Beweis stellen. Die ortsansässige Wrestlerin, früher als Summer aktiv, trat im SV Walpershofen-Trikot an. Sie hatte es mit Melanie Grey zu tun. Leider das schlechteste Match auf der Card. Es ist nicht meine Absicht, über Wrestler hier herzuziehen, aber man muss leider ganz einfach sagen, dass der Sieg nicht verdient war und nach einer echt lausigen Aktion (Jenna wich aus, Melanie Gray knallte in die Ringecke und wurde gepinnt) erfolgte. Natürlich will man dem Heimpublikum was bieten, aber so werden Stars, wie Melanie Gray, die seit 2007 in der Szene aktiv sind, für einen Applaus verheizt. Dass die Dame es besser kann, hat man im letzten Match gegen Alpha Female gesehen.

Genug gemeckert, nun kam das unterhaltsamste Match des Abends. Ein Sechs-Mann-Tag-Team-Match mit drei Teams. Die da wären: Bernd Föhr mit seinem Buddy Farmer Joe, beide immer für gute Laune sorgend, dann Just Nick und Prince Ahura (dessen normaler Tag-Team-Partner Maggot ist leider verletzt) sowie Carsten Crank (MASSE IST MACHT) und Alpha Kevin (dessen normaler Wrestlingpartner Marius van Beethoven war auch verletzt, er hatte nämlich Muskelkater). Carsten Crank joggte in Zeitlupe zur Melodie von Baywatch in den Ring und zeigte erstmal den Elbow Drop auf die Rettungsboje. Und danach ging das Match ab. Ich hab ehrlich gesagt nie verstanden, warum bei einer solchen Konstellation nur zwei Männer im Ring sind. Das trägt doch ziemlich zur Verwirrung bei, beim Einwechseln usw. Egal, unübersichtlich wurde es sowieso, denn ab und an sind auch mal sechs Mann im Ring und der Schiri hat alle Hände voll zu tun, das Match am Laufen zu halten. Am Ende konnten sich Crank und Alpha Kevin durchsetzen. Sehr unterhaltsam!

Jester und Mike Schwarz sollten anschließend gegen Aaron Insane und Michael Isotov um die Tag-Team-Titel antreten. Doch die beiden weigerten sich lautstark, ihre Titel aufs Spiel zu setzen. Und so wurde das Ganze zu einem Nummer-eins-Herausforder-Match. Mike Schwarz kündigte dann auch an, dass es jetzt „auf die Fresse“ gebe, doch leider landete er nach einigen guten Aktionen dann eher in den Händen des Rettungsdienstes. Eine schiere Ewigkeit musste sich Jester dann mehr schlecht als recht gegen die beiden Vertreter der Keel Holding zur Wehr setzen. Doch irgendwann konnte Mike wieder in das Match eingreifen und mit einer Aktion vom obersten Seil sicherte Jester für das Team den Nummer-1-Herausforder-Posten. Tolles, spannendes Match.

Weiter ging es mit dem cOw Interstate Title Match zwischen Oliver Carter (Ja, Mann!) und Absolute Andy. Absolute Andy ist momentan ein waschechter Heel und so legte er sich auch gleich mit dem Publikum an. Drohgebärden inklusive. Doch das hinderte die Meute nicht daran „Absoulte Scheißdreck“ zu rufen. Oliver Carter konnte seinen Titel verteidigen. Matchtechnisch war es an diesem Abend gehobener Durchschnitt, da hatte ich beide Wrestler schon besser gesehen. Die Publikumsreaktionen dagegen waren großartig.

Weiter gings mit Carnage gegen Maveric Cross. Das Match war sehr gut, beide Wrestler konnten ihre Stärken ausspielen und lieferten gehobene Unterhaltung. Letztlich gewann Carnage das ausgeglichene Duell.

Weiter gings mit dem heimlichen Main Event. Was viele nicht wussten und erst am Ende der Veranstaltung enthüllt wurde: Medi setzte nicht nur storylinetechnisch seine Karriere aufs Spiel: nein, dies war tatsächlich sein letztes Match. Medi tritt vom aktiven Wrestling zurück. Sehr schade, weil er das Business liebt, das war seinen vielleicht technisch nicht immer brillianten Matches anzusehen. Ganz Gentleman macht er an seinem letzten Abend den Job für Blackwell, den Aufsteiger aus Luxemburg. Gutes Match. Aber seine Stunde kam dennoch. Im nachfolgenden Gerangel kann Werner Hund Alex Wonder ausknocken und pinnen. Danach wird er nonchalant mit Hilfe von Medi in einen Müllcontainer befördert und Blackwell gleich mit. Zu den Gesängen von Na Na Na Na Hey Hey Hey Goodbye werden die beiden dann unter anderem von Alpha Female aus der hall gefahren.

Blieb nur noch der Main-Event: Tatanka, der alte WWE-Star, steigt auch noch mit 56 Jahren in den Ring und macht dabei auch noch eine gute Figur. Daran ist nicht nur er schuld, sondern auch sein Gegner Saša Keel. Ich wiederhole mich gerne, Saša Keel ist der beste Heel, den sich dieses Business in Deutschland leisten kann. Ich hatte auch schon wesentlich schlechtere Matches von Tatanka gesehen. Dieses Match war nicht nur ok, sondern echt sehenswert. Natürlich, wrestlerisch war Tatanka schon vorher extrem limitiert und natürlich hatte er auch hier sein Superstar-Comeback (also, wenn die Schläge einfach abprallen). Er durfte das Match schließlich auch für sich entscheiden.

Gegen Ende gab es noch eine Feierstunde von Medi, allerdings kein Bier, Straight Edge, u know? Insgesamt ein wunderschöner Abend. Die bisher bestbesuchteste Show der COW, bei der ich bisher war. Nicht aufzuhalten, diese Promotion! Mehr davon!

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So etwa heute vor einem Jahr erblickte mein schicker Flipskalender das Licht…