Championship of Wrestling: Oktoberfest am 13. Oktober 2018 in Walpershofen

Wrestling-Time bei abgepudert. Und wieder aus Walpershofen. Und dieses Mal hat sich die COW nicht lumpen lassen. Mit der kleinen Gemeinde von Walpershofen zusammen wurde ein Oktoberfest auf die Beine gestellt. Bier, Cocktail, Essensstände, Muckis, Wrestling und Livemusik lockten 400 Zuschauer in die Halle. Ausverkauft bis auf den letzten Platz. Zusätzlich gab es erstmals auch Livemusik, in diesem Fall von der Gruppe Kernkraft. Hard-Rock im Stile der Onkelz. Mein Fall wars nicht, aber aufs Dorffest passte es ganz gut.

Fest zu den COW-Veranstaltungen gehört mittlerweile die Pre-Show. Und da durfte Rookie Rick Miranda gegen Michael Isotov ran. Isotov, einziger Vertreter der Keel Holding, da diese nach einem Angriff auf Alex Wonder „suspendiert“ wurden, musste auch anfangs einiges einstecken von dem jungen Empörkömmling aus Luxemburg. Doch natürlich konnte sich der wesentlich erfahrenere Isotov letztlich durchsetzen.

Ein weiteres Rookie-Match gabs dann mit Kara, Jenna und Nicky Rich gegen Lena Sophie, Laura und Tyra Moon. Während Jenna, eine Lokalmatadorin aus Walpershofen, schon öfter bei COW-Veranstaltungen aufgetreten ist (und sich auch während den Veranstaltungen um Theke und Merch kümmert), merkte man den restlichen Damen an, das sie noch im Training sind. Aber Erfahrungen sammelt man nun mal zuallervorderst im Ring. Insbesondere Kara beeindruckte in ihrem im übrigen zweiten Kampf für die COW, außerdem gab es einen schönen Triple-Suplex von Team Jenna gegen den Rest. Achso, Team Jenna gewann natürlich auch. Für ein Pre-Show-Match ok, aber nix weltbewegendes.

Danach waren Kernkraft dran. Deutschrock halt, muss man mögen. Aber schön wars später, als sie… aber dazu kommen wir noch.

Wonder-Time. Der Evil General Manager of COW und selbsternannter Manager of Champions Champion betrat mit COW-Ladies-Champion (ja richtig gelesen) Blackwell und dessen Pagen Useless den Ring. Und schon gings los gegen Werner Hund, den nicht selbsternannten, aber gewählten Ortsvorsteher von Walpershofen. Denn leider konnte Hund an diesem Abend nicht antreten, da er erkrankt war. Und so ergoß sich beißender Spott über den armen Mann. Doch lange ließ sich der Ortsvorsteher nicht bitten. Blasmusik störte Wonders Monolog und Werner Hund betrat mit einer anderen Person (konnte nicht rausfinden, wer es war) den Ring. Danach gab es ein paar Ansagen und letztlich räumte Wonder das Feld. Nach einem Dank an die Sponsoren gings dann los mit dem ersten Match.

Man merkt Wonder einfach an, das ihm die Heel-Rolle auf den Leib geschrieben ist. Es macht so viel Spaß seinem Quatsch zuzusehen. Gleichzeitig ist er aber auch der Typ, der vor der Show sich um die Stempel und Tickets kümmert. Es ist einfach toll, wie er diesen Spagat meistert, ohne dass es unglaubwürdig wirkt. Man kann ihm eigentlich nicht genug danken, Wrestling im Saarland wieder populär zu machen.

Gleich ging es international los, denn der Brite Jake McClusky, ein regelmäßiger Gast der COW, trat gegen seinen Landsmann The Bruce Sterling an. nicht das erste Zusammentreffen der Beiden (auch nicht das erste bei der COW btw.), aber immer wieder ein fest. Und zwar ein sogenanntes Spotfest, also ein Match, bei dem sich von einer waghalsigen Aktion zur nächsten gehangelt wird, ohne dass es eine großartige Storyline dahinter gibt. Als Opener für eine Veranstaltung aber sehr gut geeignet, da so der erste WOW-Effekt sich einstellt. Machen die großen Ligen übrigens auch so. Wer meint, dass die Ringchemie bei den beiden stimmt, der sollte dazu wissen, dass die beiden auch als Tag-Team unter dem Namen British Young Blood und Liquid Dreams zusammen aktiv sind beziehungsweise waren. Eigentlich egal, aber Jake McCluskey gewann den Kampf. Ein Opener ganz nach meinem Geschmack. Viel Action und rasante Techniken.

Was nun folgte, war absolut wahnsinnig. Das Match nannte sich „Falls Count Anywhere in the Building Elimination Match um die cOw Tag Team Titel“. Diese wurden gehalten von Mike Schwarz und COW-Eigengewächs Jester. Zur Herausforderung kam aber nicht nur ein team, sondern deren drei: die Pretty Bastards (Prince Ahura und Maggot), Max Million undMarius van Beethoven sowie Maveric Cross und Tommy Blue Eyes. Dazu zwei Schiedsrichter, einer für den Ring, einer für außerhalb. Und das schlimmste an dem Namen des Matches: er stimmte nicht, es ging nämlich nicht nur „anywhere in the building“, sondern auch außerhalb auf dem Oktoberfest gut ab. Denn tatsächlich verlagerten die Wrestler das Match vor die Halle, prügelten sich über Bierbänke und im Bierstand. Sogar eine Mülltonne ging kaputt. Ehrlich gesagt habe ich nicht jede Elimination gesehen (um genau zu sein keine einzige), aber wird schon alles seine Richtigkeit haben. In dem ganzen Chaos haben Mike Schwarz und Jester jedenfalls ihre Titel verteidigt. Ein ziemlich großartiges Match, wenn man auf diese Art von Klamauk-Wrestling steht (tue ich zuweilen) und mit dem Outdoor-Gedresche gabs auch ne schöne Abwechslung. Zum Glück hats nicht geregnet.

Am Ende kam noch Baby Allison zum Ring und verzauberte (?) Maveric Cross. Ist wohl was für die Cross-Promotion-Liebhaber und so ne Art Undertaker-mäßige mystische Storyline. Etwas seltsam für den Ottonormal-Zuschauer, der nicht auch noch bei der GHW oder bei NEW zu Gast ist.

Das LX Ken vs. Föhr so hoch auf der card ist, war für mich überraschend. LX Ken ist sicherlich der neue Wunderknabe des Wrestlings mit einem krass definierten Körper, während Föhr, nun ja, ein paar Pfunde zugelegt hat. Aber wie sagt man so schön: der Wrestler wächst mit seinem Publikum… Ok, ich hör schon auf mit den Kalauern. Will ja auch keine Leserbeleidigung. Das Match war jedenfalls eine wohltuend ernste Angelegenheit und bot einige sehr schöne Aktionen von beiden Kontrahenten. Natürlich durfte der Six-One-Föhr auch nicht fehlen. Dennoch gelang es schließlich LX Ken sich mit einer Submission durchzusetzen. Ich bin mir sicher, von LX Ken ist noch viel zu erwarten. Übrigens hatte der Mann statt Shirts Masken im Angebot.

Nun war der Hauptkampf des ersten Teils vor der Pause zu sehen. Wonder schickte seine neueste „Erwerbung“ Carnage als Manager of Champions Champion in den Ring gegen Chris Masters. Für Nichteingeweihte: Masters war lange bei der WWE aktiv, dort als Midcarder, aber ihr kennt das ja, „personal demons“ warens wohl nicht, aber Verstöße gegen die Wellness-Policy (sprich: der Muskelaufbau dürfte nicht nur durch Eiweis-Shakes erfolgt sein) beendeten seine dortige Karriere. Seitdem ist er Independent-Wrestler, auch mit Leib und Seele, wie man im nachfolgenden Kampf gut sehen sollte. Aber zunächst: Kernkraft durften sein Einstiegslied performen. Passte auch ganz gut muss man sagen. Der Kampf war technisch anspruchsvoll, aber natürlich eher in Powerhouse-Manier gehalten. Jeder Fehler von Masters wurde ausgereizt, so ging es mehrfach gegen das Knie. Letztlich dominierte Masters, konnte jedoch seinen Masterlock nicht richtig ansetzen. Zumal Alex Wonder in einem unbeobachteten Moment eingriff und damit Carnage zum Sieg verhalf. Wie schon geschrieben, ein sehr schönes Match mit einem blendend aufgelegten Chris Masters und einem schönen Old-School-Finish. Damit bleibt Alex Wonders Schützling Carnage Titelträger (oder bleibt Alex Wonder Titeltäger?) Alles sehr verwirrend, wobei es verwirrend auch nach der Pause weiterging. Aber erst mal kamen wieder Kernkraft. In der Zeit konnte man sich auch den ganzen Merch angucken. Für zwei Shows bietet die COW jetzt DVDs an, eine davon ist Time to Wonder, ebenfalls in Walpershofen, über die ich schon berichtet hatte. Ansonsten gabs natürlich den Kram von Wrestlern, außerdem war ein Wrestling-Fanshop vor Ort.

Nach der Pause gings um den COW-Ladies-Titel, den Blackwell, selbsternannter bester Wrestler aus Luxemburg, sich durch eine hinterhältige Taktik erworben hatte. Ein Mann als Ladies-Champion? Tja, Wrestling halt. Blackwell machte das ganze jedenfalls sehr glaubhaft und heizte schon über die sozialen Medien den Kampf ordentlich ein. Seinen Geniestreich gabs dann bei der Eröffnung des Matchs zu sehen. Die Musik ertönte und Alpha Female machte sich zum Einmarsch bereit. Doch was ist das? Statt der deutschen Flagge gabs eine luxemburgische zu sehen. Und dann machte sie Platz für Blackwell, dessen Musik die ihre unterbrach. Was war da los? Nun, Useless, Blackwells treuer Helfer, den er bei der letzten Show Carnage vorgeworfen hatte, hatte sich als Alpha Femal verkleidet. Die Kopfspielchen, wie Carsten Schaefer das immer gerne nennt, hat Blackwell damit klar gewonnen. Im Ring wars dann nimmer ganz so souverän, denn Alpha Female hatte den Luxemburger gut im Griff. Lustiges gab es auch zu sehen, so versuchte sich Blackwell an einem „Low Blow“, also einem Tiefschlag, der Alpha Female dann nicht ganz so beeindruckte 😉 Man kann sagen, was man will, aber Intergender-Matches sind schon eine witzige Sache. Die Entscheidung war dann spektakulär unsauber. Nachdem der Ringrichter kurz ausgeknockt war, attackierte Blackwell Alpha mit dem Titel. Doch das machte Alpha Female wenig aus. Blackwell, gar nicht dumm, warf den Titel der Alpha Female hin, und tat dann so, als hätte sie ihn ausgeknockt. Damit wurde Alpha Female disqualifiziert und Blackwell behielt den Gürtel.

Danach folgte eine „Battle Royal“ um den COW-Interstate-Titel. Der Einfachheit halber erwähne ich mal alle dreißig Kämpfer, die ich nicht noch gesondert erwähne: Carnage, Jester, Leon, Boris PainMichael Noel , Max Million, Marius van Beethoven, Bernd Föhr, Prince Ahura, Maggot, Tony Nitro, Nobody der Kämpfer, Crimson “The Butcher“, Don Sheen , Feyyaz, Maze, Just Nick – Wrestling, Nik Hellstrøm, Maveric Cross, Tommy Blue Eyes und Yuri Gromow NEW. Ehrlich gesagt kannte ich nicht alle. Einige stammten wohl auch aus der EWS (Erding Wrestling Show), die noch den Ruf einer Backyard-Liga hat, aber man muss schon sagen, die Wrestler waren gar nicht so schlecht. Dann traten natürlich auch alle an, die schon gewrestlet hatten. Eine Battle Royal war es aber dann doch nicht (dann hätten alle 30 im Ring stehen müssen), sondern eher ein Royal Rumble, bei dem alle 90 Sekunden ein neuer Wrestler startete. So ein Royal Rumble hat immer was verwirrendes, aber es gab viele schöne Momente. So wurde als Reminiszenz an den 1998er WWE Royal Rumble, wo Mick Foley unter seinen drei Charakteren antrat, Matt Mayhem auch dreimal eingesetzt, nämlich Matt Mayhem, Lucha Mayhem und als Mayhem Classic. Weiteres: Michael Isotov und Rick Mirinda durften ihr Match vom Anfang auch weiter fortführen und auch die Fehde zwischen Alpha Female und Blackwell ging weiter, denn Alpha verhinderte eine Teilnahme von Blackwell und scheuchte ihn durch die Halle. Stargast war Izzy Gallegos (ex-US5), der ja nun auch als Wrestler antritt. Er hatte später auch noch einen Liveauftritt. Situationskomik: Mike Schwarz lehnte Tequilla von Lucha Mayhem mit den Worten „Nein! Nur Bier!“ ab. Beeindruckend auch eine Spontanrettung durch das Publikum, das einen Wrestler auf ihrem Rücken trug, bis er wieder den Ring betreten konnte (nicht beide Füße auf dem Boden). Ein wunderbarer Moment und ein Crowdsurfing der besonderen Art. Als Nummer 29 betrat Carnage den Ring. Da war klar, hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu. Als Nummer 30 brachte Alex Wonder Demolition Davies zum Ring. Demolition Davies, vermutlich das beeindruckendste Schwergewicht im deutschen Wrestling sollte Carnage den Sieg sichern. Und so flogen, unter anderem auch mein Favorit Maveric Cross, der es als Nummer 1 bis fast zum Schluss ausgehalten hatte, die restlichen Wrestler über das oberste Ringseil.

Am ende waren es nur noch Mike Schwarz, Carnage und Davies. Nach einem Kräftemessen und ein paar Aktionen war es dann auch um den sympathischen Ruhrpottler geschehen. Als sich am Ende Carnage und Davies als letzte Männer im Ring gegenüber standen, sah es so aus, als würde Wonder wieder triumphieren. Davies verließ den Ring, nachdem er das Geld für seinen Auftritt bekommen hatte. Doch Wonder hatte die Rechnung ohne die Wildcard von Werner Hund gemacht: Chris Masters hatte seine Knieschmerzen überwunden und durfte noch am Rumble teilnehmen. Und tatsächlich konnte er Carnage bezwingen und wurde damit neuer Interstate-Champion. Um das Publikum vollends zufreidenzustellen: die Show ist nicht zu Ende, wenn Alex Wonder nicht „auf die Fresse“ kriegt und so wurde er von Masters in den Masterlock genommen. Die abschließende Siegesfeierging nahtlos in das Oktoberfest über.

Fazit: Auch wenn man nicht mehr glauben mag, aber die COW wächst mit jeder Show. Wie man ein solches Megaevent noch toppen soll, wird interessant werden. Zumal hier auch die Symbiose aus Dorffest und Wrestlingveranstaltung wunderbar gelungen war. Eine wirklich krasse Show, die für Wrestlingfans jeden Alters und Erfahrungsstufe etwas zu bieten hatte. Genug Insiderwissen für die „Smart Marks“, genug Proll-Witze für das Dorffestpublikum, Technik und Dramatik für den anspruchsvollen Fan und natürlich auch den wrestling-eigenen Klamauk. Eine absolut runde Veranstaltung!