Championship of Wrestling: Final Battle am 24.11.2018 in Gersweiler

Viel zu tun im alten Jahr, deshalb musste mein fast schon obligatorischer Rückblick auf die letzte Championship of Wrestling-Veranstaltung leider etwas warten. Ich hoffe, ich kriege noch alles auf die Reihe. Die Final Battle des Jahres fand in der altbekannten Turnhalle von Gersweiler statt. Die Verpflichtung von Pac hat für einen wahren Besucheransturm gesorgt. Für Nicht-Insider: Pac hieß in der WWE Neville und zählte dort zu den Talenten, die weit unter Wert liefen. jetzt als Freelancer aktiv, waren viele Wrestling-Fans wohl gespannt, wie er sich independent verkaufen wird. Mit 300 Zuschauern war die Halle dementsprechend auch ausverkauft.

Für die Preshow konnte die COW Daniel “Dan” Mallman verpflichten, vielen wohl noch bekannt als Backup der Crossover-Band Dog Eat Dog. Dieser verteilte dann auch fleißig T-Shirts (und Wifebeater) seiner Band. Wie kam er zu der Ehre? Nun, Mallman ist auch der Mann hinter der Klamottenmarke Respect Kayfabe. So erklärte er dem saarländischen Publikum auch schnell ein paar wichtige Begriffe. Ob das so nötig war, wage ich mal zu bezweifeln… Obwohl, es sind ja immer wieder Neulinge dabei.

Erstes Match war dann auch ein sogenanntes „Dark Match“, also gehörte nicht zur eigentlichen Show. Matt Mayhem, der Held aus Birkenfeld, hatte es mit Just Nick zu tun. Für Pre-Show-Verhältnisse war das Match ganz gut gelungen und diente als Appetizer für das kommende Geschehen. Es folgten noch ein paar mehr oder weniger originelle Partyspiele mit Publikumsbeteiligung (Blinde Kuh und ein Quiz), bei denen es etwas zu gewinnen gab. Und dann gings los mit der Hauptshow…

Das erste Match war dann auch gleich ein Tag-Team-Match. Mike Schwarz und Jester mussten ihren COW-Tag-Team-Titel gegen Maveric Cross und Tommy Blue Eyes aufs Spiel setzen. Mit dem gegnerischen Team angereist war auch wieder Baby Allison. So richtig verstanden habe ich ihre Rolle als Valet noch nicht so richtig. Sie soll wohl so eine Art Mystery-Element reinbringen und hat Maveric Cross irgendwie in ihren Bann gezogen. Eine Art Cross-Promotion-Storyline, die auf mich ein bisschen befremdlich wirkt. Das Match an sich war exzellent, zumal es nicht das erste Mal ist, dass die beiden Teams aufeinander trafen. So stimmt dann natürlich auch die Ringchemie. Die Titelträger konnten sich schließlich auch durchsetzen. Haben ja auch lange genug nach dem Titel gefiebert. Danach war allerdings nicht nur die Titelchance Geschichte, sondern gleich das ganze Tag-Team: Maveric turnte gegen seinen Partner und verließ die Halle mit seiner dunklen Diva.

Die nächsten beiden Matches waren danach etwas seltsam vom Ansatz her. Das Wrestling lebt ja bekanntlich davon, dass der Gute (der Publikumsliebling oder das Face) gegen den Bösen (den Heel) antritt. Ist dies nicht der Fall, gibt es noch die Optionen Face gegen Face (zwei Publikumslieblinge treten gegeneinander an) oder ein Jobber-Match, bei dem der Face oder der Heel sein Können zeigen kann. Keines davon war im nachfolgenden Match der Fall. LX Ken ist ein hoffnungsvolles Nachwuchstalent, galt aber bisher eher als Heel. Er trat gegen Yuri Gromow an. Man erkennt es an seinem Namen: der Mann stammt ursprünglich aus St. Petersburg. Und damit ist er eigentlich automatisch Heel. Das soll jetzt nicht rassistisch sein, man muss aber leider sagen, das im Wrestling Osteuropäer nun mal häufig als Heels herhalten müssen. Übrigens auch dann, wenn sie eigentlich Kanadier sind (das ist kein Scherz, siehe Ivan Koloff, RIP). Ausnahmen wie Rusev bestätigen die Regel. So wusste man eigentlich nicht, wen man anfeuern sollte. Die Folge: das Match blieb für den Zuschauer trotz wirklich guter Action eher uninteressant. Und das ist schade, denn beide Wrestler haben tolle Starqualitäten. Wen es interessiert: LX Ken gewann.

Und das gleiche passierte danach wieder: die beiden Powerhouses Carsten Crank und Drake Destroyer trafen aufeinander. beide ebenfalls eher Heels. Klar, tolle Kraft, Spitzenaktionen, aber emotional beteiligt war man als Zuschauer nicht. Dass dann auch noch Drake Destroyer gewann… Naja…


Dafür ging es danach hochemotional weiter. Denn Marius van Beethoven muss seine Karriere beenden. Das war einem Großteil des Publikums bekannt beziehungsweise wurde auch noch einmal explizit von Ringsprecher Oliver Seidel erwähnt. Sein letztes Match fand nun in Gersweiler statt. Die Fans dankten ihn, der Zeit seines Wrestlinglebens Heel war, mit einer Standing Ovation. Ein zutiefst emotionaler Moment, der wohl kaum einen in der Halle kalt gelassen hat. Gänsehaut pur.

Auch wenn wrestlerisch bei Marius, dem Goldjungen, sicherlich noch Luft nach oben war, verliert das deutsche Wrestling damit sicherlich eines seiner schillersten Heels, der beim Publikum immer viele Reaktionen hervorrief. Für sein letztes Match hatte er Alpha Kevin, seinen langjährigen Tag-Team-Partner und besten Freund, sowie The Rotation, der zu seinen engsten Freunden zählt, angefragt. Und natürlich erwiesen sie ihm die Ehre. In dem durchweg spannenden Match durfte Marius dann noch mal alle seine Vorzüge zeigen. Interessant auch, dass so ein Match wirklich spannend ist, denn eigentlich ist es ja klar: wenn ein Wrestler geht, dann gibt er die Fackel weiter. Das heißt, dass er verlieren muss. Nur ganz selten wird diese Regel gebrochen. Und dennoch fiebert man mit. Schließlich war es natürlich Alpha Kevin, der, in einem an das Shawn Michaels vs. Ric Flair Match erinnernden Moment, Marius pinnen durfte.

Was danach folgte, war wirklich nicht mehr in Worte zu fassen und auch ich hatte durchaus Pipi in den Augen. Die gesamte Halle stand ein zweites Mal auf und applaudierte minutenlang. In seiner gesamten Wrestlingkarriere hat er wohl nie so viel Applaus bekommen. Anschließend richtete er noch einige Worte an das Publikum und bedankte sich bei seinen beiden Gegnern. Ein wahnsinnig emotionaler Moment.

Danach wäre es vermutlich klug gewesen, eine kleine Pause einzulegen, damit die Fans sich von dem wirklich starken, emotionalen Moment erholen konnten. Leider war dies nicht der Fall. Stattdessen kam nun das erste First Blood Match der COW-Geschichte. Es ging um die cOw/WPWI United Championship. Titelträger Sasa Keel hatte es mit TKO zu tun. Beide seit einigen Monaten erbitterete Rivalen. Für die Wrestling-Neulinge: bei einem First-Blood-Match gewinnt der jenige Wrestler, der seinen Gegner als erstes zum Bluten bringt. Dafür dürfen alle möglichen Gegenstände benutzt werden. Entfernen wir uns etwas vom Kayfabe und fragen uns, wie so etwas möglich ist, wenn Wrestling doch als Show geplant wird. Nun, Wrestler wie Brock Lesnar schaffen das mit ihrem Ellenbogen. Das ist für ihre Gegner sehr schmerzhaft und ziemlich unnötig. Wer früher dachte, das funktioniert mit Blutpastillen, den muss ich ebenfalls enttäuschen. Das Blut ist meistens echt. Um eine möglichst eindrucksvolle Verletzung vorzutäuschen, ritzen sich die Wrestler mit Rasierklingen, die ins Match eingeschmuggelt wurden und fügen sich meistens selbst (auch das ist wichtig) die Verletzung zu, das sogenannte „Blading“. Um es vorwegzunehmen, das Blading war in diesem Match ziemlich gut zu sehen. Ich frage mich, wie das auf der DVD ausgespart werden wird. Ich verrate nun aber nicht, wie es passierte, bin aber gespannt ob sich jemand meldet, der es auch beobachtet hat.

Jedenfalls funktionierte das Match ziemlich gut, zumindest am Anfang. Das liegt auch daran, dass TKO und Sasa Keel gut miteinander können. Keel ist ein fantastischer Worker und kann Emotionen beim Publikum erzeugen. Bei einem Doppel-Knockout gingen er und TKO zu Boden. Blöderweise der Ringrichter auch (also ein Triple-KO). Keel hatte sich „dabei“ die matchentscheidende Verletzung zugezogen, versuchte dies jedoch zu verbergen. Jedenfalls holte er sich eine Leuchtstoffröhre und zerschlug diese, vermutlich um TKO ebenfalls eine Verletzung zuzufügen. Was Keel wohl nicht wusste: die Dinger explodieren und sind giftig. Und so flogen die Splitter ziemlich weit. Eine gefährliche Sache für alle Beteiligten, wozu auch das Publikum zählte. Das war schließlich auch der Turning-Point des Matches und das Publikum hörte einfach auf zu reagieren. Zu heftig? Gute Frage, es gibt Ligen, in denen so was zum guten Ton gehört. Aber so ist die COW bisher auch nicht aufgetreten.

Doch das Match war noch nicht rum. Als der Ringrichter wieder wach wurde, gelang es Keel nicht, sein Bluten zu verbergen und TKO wurde neuer Champion. Keel zeigte sich frustriert und ließ seine Schuhe im Ring stehen. Eigentlich ein karrierebeendender Move. Mal gespannt, wie sich das weiter entwickelt.

Danach war die wohlverdiente Pause, in der die erhitzten Gemüter sich langsam beruhigen konnten. Die Aktion brachte für alle Beteiligten Diskussionsbedarf und führte zu viel Ärger, so dass letztlich Alex Wonder aus seiner Rolle fallen musste und das ganze regelte. Das er das wiederum konnte, spricht wiederum für die COW (und nicht zuletzt auch für ihn).

Nach der Pause gab es endlich das lange erwartete Rückmatch zwischen Alpha Female und Blackwell. Es ging um den cOw Ladies Title, den sich Blackwell geschnappt hatte. Was auf dem Papier wie eine bescheuerte Fehde klingt, ist eigentlich gekonnt in Szene gesetzt. Intergender-Matches im Wrestling sind immer etwas Besonderes. Es ist natürlich in erster Linie Alpha Females Physis zu verdanken, dass die Fehde glaubwürdig erscheint. Die „Mind Games“ an sich sind allerdings ebenso nicht zu verachten. Da darf Blackwells Getreuer Useless im Alpha Female-Outfit auftauchen, um die Fehde anzustacheln. Das Match kam auch nicht ohne eine gewisse Komik aus. Versuchte doch Matt Mayhem seine angebetete Alpha Female per Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben und putzte sich vorher die Szene, verwendete Mundwasser… nur um dann doch nicht zum Zug zu kommen. Alpha beendete die Fehde dann auch gekonnt und ist wieder einmal Ladies Champion, einen Titel, den sie vor zwei Jahren abgegeben hatte, nachdem sie eigentlich zur WWE wechseln sollte.

Nun folgte ein unterhaltsames Tag-Team-Match zwischen der
Keel Holding (Aaron Insane und Michael Isotov) und den Pretty Bastards (Prince Ahura und Maggot) . Eine Paarung, die man sicherlich schon öfter gesehen hat, die aber durchaus immer für Unterhaltung sorgt. Keel Holding konnte sich gegen Ende durchsetzen.

Was nun folgte war ein sogenanntes Squash-Match. Der Manager of Champions Championship Carnage (mit Alex Wonder an seiner Seite) sollte nämlich seinen Titel kampflos ins neue Jahr überführen. Doch Alex Wonder machte eine Open Challenge, die schließlich Bernd Föhr akzeptierte. Herzblut hatte der gute Föhr ja, nur eine echte Chance leider nicht. Ein paar gekonnte Aktionen konnte er zeigen, bevor der Ringrichter den Kampf abbrach, da Bernd nur noch leblos im Ring lag. Ein fulminanter Sieg für Carnage.

Pacs Gastauftritt, der so viele Zuschauer wie noch nie nach Gersweiler gezogen hatte, stand dann als Hauptmatch an. Seine Gegner waren Oliver Carter und Cash Money Erkan. Es ging um nichts anderes als die neu eingeführte cOw Heavyweight Championship. Starpower am Samstag, ein Weltstar zu Gast in Gersweiler… Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob die COW so etwas nötig hat. Natürlich hat sie auch eigene und eingekaufte Talente aus Deutschland und doch ist ein Superstar aus Übersee immer etwas besonderes. Wrestling lebt nun einmal von Starpower und je mehr desto besser. Aber sie lebt auch vom Herzblut der Wrestler und auch der größte Star hilft nichts, wenn er nicht abliefern kann. Pac konnte das. Der ehemalige WWE-Wrestler war sich nicht zu schade, den Job zu machen. Er zeigte genauso spektakuläre Aktionen wie vorher bei 205 Live. Zwar verzichtete er auf seinen beeindruckenden Finishing Move, den Red Arrow (eine Corkscrew Shooting Star Press), doch zumindest eine Shooting Star Press gab es zu sehen. Auch Cash Money Erkan lieferte ab, doch letztlich gelang es niemand anderem als Oliver Carter erster cOw-Heavyweight-Champ zu werden. Ein verdienter Sieg.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass es sich um ein verdammt gelungenes Event gehandelt hat. Ein paar kleinere Schwächen beim Booking und ein vermasseltes First Blood Match stehen einem großartigen Hauptmatch und dem fulminanten Abschiedsmatch von Marius van Beethoven entgegen. Auch das cOw-Ladies-Match überzeugte. Dazu noch eine Reihe solider Matches. Ich habe mich jedenfalls blenndend unterhalten gefühlt und bin weiterhin gespannt, wie die cOw weiterhin abliefert.

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