Devils Marketplace

Es ist die Oase des Körperkults und das Mekka der Reinigungsjünger. Influencer haben den Markt längst erobert und die Generation Youtube trägt fröhlich das lange gesparte Taschengeld hin, um sich den neuesten, überteuerten Duschschaum zu kaufen, der auf den lustigen Namen „fizzy melon“ hört.

Die Rede ist vom Drogeriemarkt des Vertrauens. Wobei ich nicht ganz sicher bin, ob ich das mit dem Vertrauen wirklich so toll finde.

Kaum ist man durch die automatische Schiebetür ins Reich von Duschgel und Hornhautraspeln eingetreten, weiß man eigentlich gar nicht mehr so wirklich, was man ursprünglich hier wollte. Der gute Vorsatz, nur das Nötigste (damit meine ich Dinge des täglichen Bedarfs, Klopapier und so) zu kaufen, ist vergessen. In dem Moment, in dem man gleich rechts den Dekonippes entdeckt, ist es vorbei mit „nur die Liste abarbeiten“.

Je nach Jahreszeit kann man sich zwischen kleinen Nikolausfiguren, gehäkelten Ostereierwärmern oder stylischen Antimückenkerzen entscheiden, deren abgefahrenes Aussehen auch nicht über den grässlichen Gestank hinweg tröstet.

Grob gesagt, teilt sich so ein Drogeriemarkt in verschiedene Bereiche ein. Da gibt es neben diversen Cremes, Peelings und sonstigen Schönheits- und Wellnessprodukten auch Heilmittel, deren Wirkung meist nicht nachgewiesen ist, dennoch aber in seriösem Gewand daher kommen.

Der naturbewusste Einkäufer findet hier auch Reinigungsmittel, die einem das gute Gefühl geben, einen nicht ganz so großen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen.

Im Angebot sind  auch sehr viele Antistinksachen, wie Raumsprays oder Kleiderduft. Abgesehen davon wird man dann auch noch von allerlei Krimskrams behelligt, den man immer unbedingt braucht. Dinge wie Batterien, USB Sticks, Ladekabel und so n Zeug.

Was aber das Interessante an einem Einkauf im Drogeriefachgeschäft ist, sind die Gedankengänge, die einem nach der Shoppingtour durch die Regale in den Sinn kommen. Dann, wenn man an der Kasse steht und seine Beute der Dame an der Kasse präsentieren muss.

Anders als in einem Supermarkt, in dem man nur ganz kurz ein schlechtes Gewissen hat, weil man mal wieder nur Schoki, Chips oder Flips aufs Band legt, bohren sich die Gedanken an der Kasse einer Drogerie ziemlich tief ins Hirn und vor allem ins Ego. Dort fressen sie sich auch noch lange nach dem Einkauf fest.

Man macht sich hier dermaßen angreifbar und das liegt nicht daran, dass man durchs Punkte sammeln zum gläsernen Menschen wird.

Nein, vielmehr erfährt man, wie es sich anfühlt, sein Innerstes nach Außen zu kehren.

Man offenbart seine Einkäufe nicht  irgendeinem vermeintlich anonymen Bonussystem, sondern es passiert direkt vor der Kassiererin, die mir immer wieder in meine kurzsichtigen Augen schaut und vor allem auch vor den Leuten, die hinter mir stehen und natürlich jedes einzelne meiner Produkte inspizieren, weil sie drauf warten, ihre auflegen zu können.

Eigentlich hat man zu diesem Zeitpunkt oft schon die erste intime Situation hinter sich. Die kommt nämlich bereits dann, wenn man mal eben noch schnell zwei oder drei Fotos entwickeln lassen möchte und während eine Horde Menschen hinter einem wartet, dass man endlich fertig ist, die ersten Fotos auf dem riesigen Bildschirm aufploppen. Fotos, die NICHT für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Selfiefails, die man vergessen hat zu löschen. Also los zur Kasse.

Angenommen und wirklich nur mal angenommen, ich habe mir einen Pickelabdeckstift gekauft, dann zeige ich meine erste Schwäche. Wer hat schon gerne entzündete Eiterbläschen im Gesicht?

Es ist ein bisschen, wie beim Arzt, wenn man ein hässliches Furunkel an Stellen hat, die man niemandem zeigen möchte, es aber muss, weil das Ding ja weg soll. Ich will auch niemandem zeigen, dass ich Pickel hab, deswegen kauf ich ja diesen bescheuerten Stift, der mir von irgendeinem Schönheitsguru als Non plus ultra mit hoher Deckkraft vorgeschlagen wurde. Der Pickel muss weg.  Aber einfach einstecken und rausgehen ist nicht erlaubt und wird auch bestraft.

Nächste Hypothese: Manchmal kauft man auf Vorrat. Deos, Duschgel zum Beispiel. Ich will gar nicht wissen, was die Kassiererin denkt, wenn ich drei Dosen Deo und fünf Ladungen Duschgel  kaufe, oder schlimmstenfalls umgekehrt. Kann positiv für mich ausfallen, kann aber auch das genaue Gegenteil der Fall sein. Bei Klopapier ist der Gedanke interessant. Eine Packung zu kaufen ist voll okay. Kaufe ich aber auch Klopapier auf Vorrat, dann bekommt das schon wieder eine seltsame Note. Eigentlich ist es egal, was man auf Vorrat kauft. Alles, was man in größeren Mengen  in der Drogerie besorgt, kommt doof. Es sei denn, es ist Urlaubszeit. Dann geht einiges klar.

Ich krame in meinem Korb und lege Unmengen Putzmittel und Duftkerzen aufs Band. Es muss unfassbar schmutzig sein bei mir und auch stinken muss es ganz schrecklich.

Weiter geht’s mit Haarfarbe. Das ist auch echt nötig, oder? Haben Sie meinen Ansatz gesehen Frau ähm…entschuldigen Sie, ich habe meine Brille nicht an und kann Ihr Namensschild nicht lesen. Kontaktlinsen in Stärke -5. Ich sehe halt echt schlecht, kann ich ja nix für. Ach, egal.

Ich hab auch noch Blasen- und Nieren Tee, sowie Heilerde zur besseren Verdauung eingepackt und komm mir bloß keiner zu nahe, Husten und Bronchialtee sowie Meerwassernasenspray müssen auch noch aufs Band. Whitening Zahncreme. Reine Vorsichtsmaßnahme und auch nur für hin und wieder, ansonsten eine ohne Schleifpartikel. Können Sie ja sehen, ich lächele Sie an.

Tomatensoße im Glas. Ja, Gott verdammt! Ich kann die ganz einfach selbst machen, schon klar, aber ich hab echt null Zeit dafür.

Ich weiß, es bringt auch nix, wenn ich jetzt die glutenfreien Linsennudeln daneben drapiere.

Klar, die Nahrungsergänzungsmittel. Brauche ich, um meinen ungesunden Ernährungsstil aufzupimpen.  

Ah, Concealer hat sich in meinem Korb noch versteckt. Das ist das Zeug zum Augenringe abdecken. Bringt auch nix mehr? Hm, okay, vielleicht haben Sie Recht.  

Manchmal versuche ich auch, solche Peinlichartikel auf dem Band zwischen übliche Sachen wie Taschentüchern oder Klopapier zu puzzeln. Das macht nur überhaupt keinen Sinn, denn meist sind das genau die Sachen, die der Scanner nicht erkennt und deren Nummer man ganz langsam und mehrmals von Hand eintippen muss. Sie sehen auch nicht so gut, oder?

Oh Mann, ist das stressig!

Aber ich bin echt froh, dass ich kein Mann bin, sonst müsste ich vielleicht damit klar kommen, was die Kassiererin denkt, wenn ich Café Latte im Becher, Kondome und nen Powerriegel kaufe. Wenigstens das kann ich das im Drogeriemarkt besorgen, ohne mich mit meinen seltsamen Gedanken auseinandersetzen zu müssen.

Ob ich Punkte beim Einkauf sammele? Ja, tu ich, ihr wisst doch sowieso alles über mich.

Tampons Großpackung komm ich übermorgen erst kaufen. Dann, wenn ich wieder bereit bin, mich zu offenbaren.

Sagen Sie, gibt’s dieses gratis Magazin eigentlich auch zum Online Kauf dazu?