Theater der härteren Klangart: Pirate‘s Bride. Eine Metaloper nach Tortuga

Am 13. und am 14. April lud das Theater der Härteren Klangart zu seinem zehnjährigen Bestehen in die Kulturhalle Nonnweiler ein. Als Amateur-Theater-Verein muss da natürlich auch ein Theaterstück auf dem Programm stehen. Nach dem selbst geschriebenen Stück Ammit sowie den beiden nach Ayreon verfassten Stücken The Human Equation und 01011001 sollte es an diesen beiden Tagen ein ganz besonderes Kleinod zu sehen geben: Pirate’s Bride markiert die erste Zusammenarbeit zwischen dem Verein und der saarländischen Pirate-Metal-Band Tortuga. Das dazugehörige Album erschien übrigens 2015 und kann auf der Seite der Band kostenlos runtergeladen werden, genau wie der 2018 veröffentlichte Nachfolger When The Shit Hits The Fan, von dem es auch einige Songs in die fertige Oper geschafft haben.

Abgepudert.de hat natürlich keine Kosten und Mühen gescheut, um über dieses sensationelle Projekt zu berichten und haben ihren Wrestling-erfahrenen Außenreporter Gripweed nach Nonnweiler gekarrt, um live vom Ort des Geschehens zu berichten… ach, nein, um von dem Livegeschehen vor Ort zu berichten. Denn klar, wie bei einer echten Oper kommt die Mucke auch nicht aus der Konserve… Oben seht ihr das Schlagzeug hinter Glaswand. Damit es auch ältere Herrschaften (zum Beispiel ich) ohne Ohrenstöpsel aushalten…

Vielleicht noch ein paar Fakten vorab: die Besetzung bestand aus mehr als 30 Akteuren aus allen Teilen des Saarlandes, die jeden Sonntag in Weiskirchen probten. Darunter bekannte Musiker und Sänger der saarländischen Metal-Szene wie Oliver Pitsch (ex-Hellowed, immer noch Trauer im Herzen), Benjamin Setz (ex-Wanderreigen) und Ilka Simon (Une). Auch die Band, die die Tortuga-Songs spielt, ist hochkarätig besetzt, mit unter andere, Dennis Roloff (ex-Heralder) an der Gitarre sowie natürlich auch die Crew-Mitglieder von Tortuga selbst. Sowohl Requisiten als auch Kostüme sind handgemacht. Das Stück selbst wurde auf Grundlage der beiden Alben zusammengezimmert. Regie führte Yannik Trampert, der Visionär des Projektes, der auch für die vorigen Produktionen verantwortlich zeichnete. Wie man eine solche künstlerische Vision in die Tat umsetzt? Natürlich mit sehr viel Herzblut, Engagement und natürlich auch durch Sponsoren. Denn tatsächlich sollen die beiden Inszenierungen für dieses Stück die letzten bleiben. Aber worum gehts eigentlich?

Also, Captain Mary Read ist eine echte Piratin mit eigener Crew. Diese Crew ist jedoch recht klein und besteht nur aus vier Mann. Als sie zusammen mit ihrem ersten Maat Blackbeard (der keinen schwarzen Bart hat) in Tortuga Männer für ihre Crew werben will, bekommt sie die großartige Gelegenheit eine Schatzkarte zum sagenumwobenen Schatz von Captain Grey zu erwerben. Also auf, auf zum Gefecht. Hätte sich da nicht Valery Barnett (eine Lady in Nöten) an Bord geschlichen. Zufällig die Nichte des Commodores, die nicht nur romantische Verwicklungen an Bord bringt, sondern auch alte Feindschaften neu entfacht.

Und wie das so mit sagenumwobenen Schätzen ist, rufen diese auch verfluchte Geisterpiraten auf den Plan. Nein, nicht LeChuck, obwohl das natürlich verlockend wäre, sondern Captain Grey, die optisch eine Art Mischung aus Captain Jack Sparrow und Marilyn Manson darstellt und ihre untote Crew. Und natürlich kommt auch die Royal Navy auf ihre Kosten. Ich weiß gar nicht, ob ich so viel spoilern sollte, aber wer noch nicht drin war, wirds vielleicht nimmer sehen. Jedenfalls kommt es am Ende zu einem großen Schwerter- und Degen-Finale. Und am Schluss kommt natürlich auch die Liebe nicht zu kurz, wenn auch anders als sich die Crew das vielleicht gedacht hat. Vielleicht doch ein Spoiler: einfach mal die Galerie entlang klicken…

So weit, so gut… wie war es nun? Nun, so ziemlich perfekt und verdammt unterhaltsam. Wie schon bei früheren Inszenierungen des Theaters muss man einfach die Schauspieler loben. Wiebke Neu als Captain Mary Read ist fantastisch, verfügt außerdem über eine super Singstimme und stellt den Captain absolut glaubwürdig dar. Oliver Pitsch als leicht liebestrunkener Blackbeard sorgt mit seinem trockenen Humor immer wieder für Auflockerung, und die Crew, gespielt von Bernd Schmitz, David Schöneberger und Johannes Adams sorgt auch immer wieder für gelungene komödiantische Einlagen. Insbesondere die Szenen, in denen sie um die Hand von Valery Barnet (Svenja Trampert) anhalten, sind ganz großes Kino. Ach ja, Svenja spielte natürlich auch ganz hervorragend.

Aber auch der Rest des Ensembles weiß zu überzeugen, sei es das British Empire, sei es die Geistercrew. Bonuspunkte an Benjamin Setz, der die Hälfte des Stücks einen Einarmigen spielt. Die besten Singstimmen waren meines Erachtens die Operneinlage von Ilka Simon, die bei Une ansonsten ihre Gesangeskünste unter Beweis stellt, sowie Bernd Schmitz, der eine absolut kräftige Stimme hat. Aber eigentlich waren alle Gesangsleistungen wirklich top. Piratenmetal im Stile von Running Wild oder Alestorm ist sicherlich auch eine gute Grundlage für eine Metaloper. Die Lieder waren eingängig und ich nehme an, bei der zweiten Aufführung hätte man sie auch mitsingen können.

Die Kulissen waren spartanisch und sparsam zu gleich. Das ist keine Negativkritik, ich finde sowas super schön. So dienten Kisten als Sitzgelegenheiten, das Schiff ließ sich umklappen, je nachdem wo die Szene gerade spielte und statt Stagehands erledigten die Umbauarbeiten zum größten Teil die Schauspieler selbst, während die Band eine kurze Umbaumusik spielte. Bis auf ein-zwei technische Aussetzer klappte an dem Abend alles. Auch war die Aufführung nicht zu laut, so dass man auch keine Ohrenstopfen benötigte. Sehr gut gefielen mir die zwei drei Momente in denen die vierte Wand durchbrochen wurde. Wenn zum Beispiel die Crew ein Ständchen vorbrachte und sich dann vom Publikum feiern ließ… Oder die Schatzsuche durch die Zuschauermenge führte.

Ein absolut toller Abend, an dem es nichts zu meckern gibt. Eine fantastische Inszenierung, eine unterhaltsame Geschichte und tolle Musik. Herz, was willst du mehr!

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