Forever Wrestling in Walpershofen – Tag 1 (18.05.2019)

Boah, was haben die drei Wrestlingligen German Hurricane Wrestling (GHW) um Aaron Insane, Classic Wrestling Entertainment (CWE) um Carsten Crank und Championship of Wrestling (COW) um Egomaniac Alex Wonder da auf die Beine gestellt? Ein verdammtes Volksfest in Walpershofen über zwei Tage. Wrestling rund um die Uhr, Bierstand, Knight Rider, Imbisstand… Rundumsorglos-Paket für das kleine Örtchen Walpershofen… Das ganze wäre sicherlich nicht möglich gewesen, ohne Unterstützung der Dorfgemeinschaft in Form des Vereins Forever Wrestling Walpershofen. Die dritte Wrestlingveranstaltung in Walpershofen war auch zugleich die bisher größte: Zwei Tage mit vollem Programm. Unser Wrestling-Reporter Gripweed war bei den Hauptshows anwesend.

Bevor die Hauptshow losging war schon ganz viel gelaufen: Um 14 Uhr startete das Fanfest mit diversen Aktionen. Um 14:45 begann eine rund einstündige Mittagsshow, die komplett kostenlos war. Um 16 Uhr folgte das kostenpflichtige Meet & Greet mit den angereisten Superstars. Ab 18 Uhr begann dann die für Wrestling-Events übliche Pre-Show mit der Walpershofener Hausband Suicide Sailors, die gefälligen Punk und Hard-Rock spielten. Noch etwas grün hinter den Ohren kam der Vierer als Ausgleich für eine kurz vorher abgesprungene Band…

Zur feierlichen Eröffnung waren nicht nur der Vereinsvorstand von Forever Wrestling sowie Ortsvorsteher Werner Hund erschienen, nein auch Bundestagsabgeordnete Josephine Ortleb war an diesem Tag erschienen, um die Schirmherrschaft zu übernehmen. Als ganz besonderen Gast konnte Forever Wrestling als General Manager für die Veranstaltung den Briten Doug Williams, der vormals recht erfolgreich bei TNA unterwegs war, aber im Dezember 2018 seine Karriere beendete.

Das war auch bitter nötig, denn die Eröffnung wurde sogleich von Alex Wonder gestört, der es sich nicht nehmen ließ, zusammen mit seinem Manager of Champions-Titelträger Blackwell das Publikum zu beleidigen und sich mal wieder als Wrestlingkönig schlechthin darzustellen. Mit passender Robe. Doch Williams ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und legte erstmal fest, dass das nächste Match in geordneten Bahnen verlief.

Und so kam es dann auch: Auftritt der zweiten Wrestling-Legende. Colt Cabana betrat den Ring. Nach einem kurzen Run beim Markführer WWE verdingt sich der sympathische „Boom Boom“ Cabana seine Lorbeeren independent. Und die Freude ist ihm wirklich ins Gesicht geschrieben. Ähnlich wie King of Dong-Style Joey Ryan ist er eher für das heitere Wrestlen zuständig. Und so war das erste Champion-Match des Abends auch eher ein unterhaltsamer Einstieg in die mehr als bunte Welt des Pro-Wrestlings. Colt Cabana ließ es sich auch nicht nehmen, mit K.I.T.T. vorzufahren… Auch Blackwells Diener Useless konnte die drohende Niederlage seines Herrens nicht abwenden (und bekam selbst einen Schlag ab) und so erklärte sich Cabana als „Manager von euch allen“, also managte er ab jetzt das Publikum.

Lustig sollte es auch weitergehen, stand doch die Schlacht um den cwe xtreme aggression Championtitel als nächstes an. Ein sogenannter Hardcore-Titel, der nach der 24/7-Regel verteidigt wird, also 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Warum da überhaupt ein Match angesetzt wird, ist mehr als fraglich. Aber vielleicht hätte man die Regel auch den Fans begreifbar machen sollen. Ehrlich gesagt war das Match der einzige „Stinker“ auf der ansonsten an hochklassigen Matches prall gefüllten Card. Aber der Reihe nach. Am Match teil nahmen Champion Carsten Crank, Crimson the Butcher sowie die beiden maskierten Wrestler Scorn und El Sadistico. Wer sich hinter den Masken verbirgt, ist eigentlich ein offenes Geheimnis. Es sei hier aber dennoch nicht verraten, um das Kayfabe noch etwas am Leben zu erhalten. Der informierte Fan hat die Realpersonen sowieso schon backstage gesehen…

Egal, jedenfalls prügelkten die vier fröhlich aufeinander ein, auch mit abseitigen Waffen, wie einem Warsteinerfaß an einem Stick, bis Champion Carsten Crank sich durchsetzen konnte… doch El Sadistico stolperte in den Ring, um seinem Gegner zu gratulieren, schmiß ihn stattdessen um und pinnte ihn „versehentlich“. Für den Zuschauer war das Match aber zu diesem Zeitpunkt schon gelaufen… Etwas merkwürdige Ansetzung. Auch wrestlerisch war das Ganze insgesamt wenig überzeugend…

Nächstes Highlight war ein Triple-Tag-Team-Match um die COW-Tag-Team-Gürtel, bei denen Mike Schwarz und Jester gegen die Keel Holding (Michael Isotov und Aaron Insane) sowie gegen die Fanfavoriten Pretty Bastards antreten sollten. Ja, sollten, den Carnage (und Wonder) ließen es sich nicht nehmen, Mike Schwarz ins Kranklenhaus zu befördern, damit er seinen geplanten Hauptkampf gegen Carnage nicht bestreiten konnte. Das hatte den Vorteil, dass dann Jester seinen Titel alleine bestreiten durfte. gegen zwei mächtige Teams… Schlechte Karten für Jester also.

Doch so ein „Ass im Ärmel des Schwachsinns“ (so seine Eigenbeschreibung auf Facebook) lässt sich von der Übermacht nicht ins Bockshorn jagen. Nachdem er gefühlte 20 Minuten auf dem Boden lag, während sich die Keel Holding und die Bastards aneinander abreagierten, gelang ihm tatsächlich der erfolgreiche Pinfall und damit die Titelverteidigung. Man glaubt es kaum. Die Keel Holding war dermaßen sauer, das sie für den nächsten Tag ein Match um die GHW Tag Team Titel gegen die Pretty Bastards einfordertn. Und zwar ein TLC-Match… Ob das mal gutgeht? Spoiler, tat es nicht. Kommt aber im Bericht zum zweiten Tag…

Wrestlerisch ein sehr starkes Match. Diesmal weniger Klamauk, dafür beinharte Action mit sehr schönen Versionen, vor allem von den Bastards, als auch von der Holding. Jester war ja storytechnisch eher angeschlagen…

Das nächste Titelmatch und gleich auch der nächste Stargast. Wir reden hier von Carlito, dem King of Cool, der auf alles spuckt, was uncool ist. Wer nur den gescheiterten WWE-Star sieht, verkennt die Rolle des Puerto-Ricaners. Mit seinen Cousin Epico und seinem Bruder Primo hat Carlito Colon mehr als Wrestlinggeschichte geschrieben. Die Colons sind quasi das perto-ricanische Wrestling. Ihnen gehört World Wrestling Council, eine zeitlang Entwicklunsgsliga von WWE und keine kleine Liga. Jedenfalls trat der apfelspuckende Superstar gegen cOw/Wpwi United Champion Hektor (früher als T-KO bekannt) an. Ein actiongeladenes Match. Ich hätte niemals gedacht, das Carlito in einem fairen Match ganz klar von Hektor gepinnt werden durfte. Das zeigt die Klasse des Puerto-Ricaners und nach einem tollen Handshake gabs dann doch noch die beühmte Apfelspuckattacke.

Star Nummer Vier war dann Chris Masters, ebenfalls ehemaliger WWE-Superstar, aber absolut beliebt in Deutschland. Er trat gegen Hakeem Waqur in einem Match um den cOw Interstate Titel an. Viertes Titelmatch, vierter Superstar. Hakeem hat sicherlich Nehmerqualitäten, aber gegen Chris Masters Masterlock war er sicherlich chancenlos. Dennoch ein unterhaltsames, gutes Match.

Ich glaube dann war Pause. Kann aber schon vorher gewesen sein. Jedenfalls stand dann tatsächlich auch mal kein Titelmatch an. Statddessen durfte Jake McClusky gegen Just Nick ran. Ein solches Aufeinandertreffen nennt man dann auch ein Technikfeuerwerk. Und so gab es wirklich tolle Flugaktionen zu sehen. Für den 22jährigen Just Nick dürfte das Match seinen bisherigen Karrierehöhepunkt dargestellt haben. Da wird noch einiges kommen, denn hier konnte er zeigen, das ein echter Techniker in ihm steckt, der bald mit den großen mithalten kann. Das Match konnte McClusky für sich entscheiden. Völlig verdient und fair.

Was danach folgte war wrestlerisch für mich das überzeugendste Match des Abends. Es ging um den Haupttitel der COW, den cOw Heavyweight Titel, der sich in den Händen von Oliver Carter befand. Wie man mittlerweile weiß, hat Oliver Carter bei WWE NXT UK unterschrieben. Ein krasser Zug. Doch bevor es losgeht, durfte er noch seine Independent-Aktivitäten zu Ende bringen. Es war also irgendwo klar, dass seine Regentschaft hier enden würde. Nur wie? Cheap-Finish? Durfte er den Titel behalten, wie eine Jazzy Gabert? Nein, hier regierte ein knallhartes Wrestlingmatch. Und ehrlich: Ich habe selten zwei so toll miteinander agierende Wrestler gesehen, wie Oliver Carter und Drake Destroyer. Und wenn man in Drakes Gesicht sah, sah man wie stolz er war, den Titel in eine neue Ära zu führen. Aber auch Carter zu verabschieden. Ein beinhartes Match, das so dermaßen von gegenseitigem Respekt zeugte, wie ich es selten im Wrestling erlebt habe. Es endete dann auch mit der abschließenden Umarmung der beiden unter dem Jubel des Publikums. An diesem Abend habe ich Drake Destroyer endgültig in mein Herz geschlossen. Tolle Fehde, tolle Geste, tolles Match! Viel Gück Oliver Carter auf deinem Weg nach oben!

Wat nu? Unter „Hier verliert nur einer, Carnage und sonst keiner“-Rufen betrat ebenjenes Monster eines Wrestlers den Ring. Der Main-Event muss wohl ausfallen, dachte jeder im Publikum… Jeder? Nein, Rookie Rick Miranda wollte beweisen, dass ein echetr Mann in ihm steckt und stellte sich mutig Carnage entgegen. Was folgte war natürlich eine ganz klare Abreibung, wobei ihm zumindest ein paar gute Aktionen gelingen durften. Aber klar, keien Chance gegen Carnage.

Die Siegesfeier wurde jedoch gestört durch lautes Martinshorn. Doch am Steuer war kein Rettungssanitäter sondern Mike Schwarz, der mit Halskrause die Halle betrat und Carnage zum ersten Ambulance-Match auf deutschem Boden herausforderte. Und so begann eine wilde Schlacht der beiden. Zu den Regeln: Gewonnen hatte derjenige, der seinen Gener in den Krankenwagen verfrachtet, die Türen schließt und das Martinshorn betätigt.

Alex Wonder ließ es sich nicht nehmen, für seinen Schützling einzugreifen. Noch vor ein paar Tagen von mir mit einem Bildnachweis darauf angesprochen, fühlte er sich etwas mißverstanden. Schließlich habe er Mike Schwarz nur aufhelfen wollen… Jedenfalls gab es für beide Wrestler richtig „auf die Fresse“, mittlerweile der Kampfschrei im saarländischen Wrestling. Gesparrt wurde nicht mit Hinterhältigkeiten: Stuhlschläge, Handschellen, alles kam zum Einsatz.

Irgendwann verlagerte sich der Kampf nach draußen. und obwohl es zunächst so aussah, als könnte der sympathische Ruhrpottler Mike seinen Kontrahenten besiegen, gelang es Carnage das Match für sich zu entscheiden. Doch getreu dem Motto, das der Abend nicht vorbei ist, bevor Alex Wonder nicht was abbekommen hat, befreite Williams Mike aus dem Krankenwagen und Carnage und Alex mussten rein. Anschließend setzte sich der Wagen unter dem Gejohle der Zuschauer in Bewegung. AFür die Statistik reichts nicht: Carnage hat gewonnen, so sehr man Mike danach die Siegesfeier gönnt.

Ab zur Aftershow mit Suicide Sailors und einem Potpourri an Punk-Hits aus den 1990ern. Das war Gripweed live vom ersten Tag!

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Natürlich war ich auch am zweiten Tag des Megaevents anwesend. Die Mittags-Show…