Forever Wrestling in Walpershofen – Tag 2 (19.05.2019)

Natürlich war ich auch am zweiten Tag des Megaevents anwesend. Die Mittags-Show habe ich leider verpasst.

Wie bereits am ersten Tag eröffnete die heimische Band Suicide Sailor den Reigen. Neben ihrem hardrockigen Punk stellten sie anschließend ihr Unwissen im Wrestling unter Beweis, als sie bei der Preshow von Dan Mallmann (Dog Eat Dog, Respect Kayfabe) nicht ganz so richtig bei der Sache wirkten. Die Chance, ihre Band unter den Wrestlingfans zu promoten verspielten sie, fürchte ich. Dennoch zeigten sie danach ein paar schöne Wrestlingaktionen gegen Mallmanns Mütze und erhielten so ein Wrestling-Einstiegspaket…

Anschließend wurde die Hauptshow durch die Vereinsvorsitzenden von Forever Wrestling eröffnet. Schirmherrin Josephine Ortleb war im Wahlkampf (schließlich war gerade Europawahl) und hatte dementsprechend keine Zeit für einen neuerlichen Auftritt. Alex Wonder ließ es sich nicht nehmen, bei der Eröffnung darauf hinzuweisen, dass er seinen gestern verlorenen Titel zurück haben will. Macht nix, General Manager Doug Williams warnte ihn, bei dem anstehenden Kampf von Cabana gegen Carnage die Füße still zu halten. Als daraufhin Blackwell und Carnage die Halle betraten, war Williams abgelenkt und kassierte einen Tiefschlag… Eine spannende Exposition…

Was nun folgte, war ein Technikfeuerwerk zwischen Hektor und Jake McCluskey. Oben seht ihr die aus meiner Sicht beste (aber auch gefährlichste) Aktion des Matches. Ein Double-Stomp von McClusky an Hektor. Es sollte für den sympathischen Briten aber (mal wieder) nicht reichen. Ich fürchte, bei aller technischen Brillanz, dass er bald mal an seinem Image arbeiten sollte. Technisch sicherlich einer der besten Wrestler, die es im deutschen Wrestling antreten, immer gut für einen Opener, aber es fehlt der Wille zum Titel…

Im Gegensatz zum nächsten Match, bei dem Carsten Crank, Rookie Rick Miranda, Hakeem Waqur, Scorn und Feyyaz Aguila in einem CWE Extreme Aggression Champion-Match aufeinander trafen. Ein Gimmick-Match unter Hardcore-Regeln, bei dem El Sadistico quasi zum Abschuss freigegeben war. Denn wer ihn pinnte, hatte den Titel. Oder so… Naja, egal, wie bei solchen Six-Man-Matches üblich war alles ziemlich chaotisch und am Ende triumphierte der alte neue Champion Carsten Crank, der den Titel am Vortag gegen El Sadistico eher zufällig verloren hatte. Danach sollte das Manager of Champions Championship-Match folgen…

Doch dazu kam es nicht. Colt Cabana wurde hinterrücks attackiert. Also eilte Doug Williams zum Ring und erklärte, das Wonder und seine Getreuen lebenslanges Fover-Wrestling-Verbot erhalten. Doch Cabana hatte eine bessere Idee: Ein Six-Man-Tag-Team Match, bei dem er sich noch zwei Buddies aussuchen durfte. Also Colt und zwei Mystery-Partner gegen Blackwell, Carnage und Rene Dupree. Wow, das schreit nach einem Main-Event… Wer könnten die drei Mystery-Partner sein? Nun, dafür mussten sich die Fans noch etwas gedulden…

Denn nun war es Zeit für den ersten Stargast-Auftritt. Die ehemalige WWE-Diva Melina gab sich die Ehre. Nun Muss man sagen, Melina stammt leider aus einer WWE-Ära, in dem Frauenwrestling, nun ja, eher an Schlammcatchen erinnerte, mit unsäglichen Matchformen wie den Bra-&-Panties-Matches, bei denen es darum ging, den Gegenüber bius zur Unterwäsche auszuziehen… Ja, damals war das Wrestling eher Beiwerk. Dabei war Melina wrestlerisch in dieser Ära durchaus überzeugend. Aber das nützte damals wenig. Jedenfalls kam sie im K.I.T.T. zu ihrem Auftritt an der Seite von Nachwuchs-Talent Kara. Die beiden hatten es mit Baby Allison und La Catrina zu tun. Ein recht passables Match mit schönen Aktionen von allen vier Wrestlerinnen. Melina, als erfahrendste der Vier, präsentierte sowohl ihre Kontrahenten als auch ihre Partnerin in einem günstigen Licht. Sie selbst kam auch sehr sympathisch rüber. Unterhaltsam… Ach ja, Kara & Melina gewannen selbstredend.

Was nun folgte, sollte quasi das Match des Abends werden, wurde aber zum Desater. Ein TLC-Match… für die Nichtwrestlingfans, die sich irgendwie doch in diesen Bericht verirrt haben: Tables, Ladder, Chairs, Tische, Leiter und Stühle. Dabei geht es darum, die Gürtel (in diesem Fall die GHW Tag Team Title) von der Hallendecke zu nehmen. Nun, das klingt wie Spaß, oder? Dann noch Pretty Bastards (Prince Ahura und Maggot) gegen Keel Holding (vertreten durch Aaron Insane und Michael Isotov), wow, ein Spotfest. um es gleich vorwegzunehmen, es endete in einer Botch-Orgie, an deren Ende drei von vier Teilnehmern ins Krankenhaus mussten. Und das leider nicht storyline-mäßig, sondern äußerst real. Ich habe auf Bilder der Verletzungen aus nahe liegenden Gründen verzichtet. Für die Zuschauer war das Match schwer anzusehen. Zunmächst ging auch noch alles gut. Nur leider hatte man keinen richtigen Tisch besorgt, sondern zwei Böcke und eine Tischplatte. Dann baute Aaron das Ding auch noch in der Ringecke auf. Eigentlich war jedem Zuschauer klar, dass das Ding viel zu wacklig war und so verletzten sich sowohl Aaron als auch Maggot bei der Aktion.

Das war jedoch noch nichts gegen eine Aktion in der Ringecke gegen Iso, der in bester Goldberg-Manier ungebremst mit dem Kopf mit einem geworfenen Stuhl landete. Obwohl, der Super-Showdown war ein paar Tage später, vielleicht hatte GOOOOLLLLLDDDBBBBÄÄÄÄRG ja das Match verfolgt… Nein, Spaß beiseite. Isotov sah gar nicht gut aus und der Scheiß ist nun mal real. Was folgte war eine klaffende Platzwunde, nein, kein Blading, kein Kunstblut, und eine Gehirnerschütterung. Zum Glück geht es allen wieder gut… Ein Wunder, das es zumindest dreien gelang, das Match zu Ende zu führen. Während Aaron (trotz Beinverletzung) nach einem Tombstone an Prince Ahura sich auf den Weg nach oben machte, pflügte ihn Maggot mit einem Spear von der Leiter. Game, Set, Match… Pretty Bastards. Die Feierstimmung wollte sich allerdings aus nachvollziehbaren Gründen nicht einstellen.

Danach standen sich Drake Destroyer, frisch gebackener cOw Heavyweight Champion, und Bad Bones John Klinger gegenüber. Allerdings ging es nicht um den COW-Titel, sondern um den GHW Heavyweight Titel. Ein Match zweier Powerhouses. Dabei spielte Drake zunächst mit einen sichtlich erregten Bad Bones. Bones warf Stühle in dne Ring und Drake setzte sich einfach drauf. Hätte Iso besser auch gema— ach, ich wollte das ja lassen. Nochmal: das was im vorigen Match passiert war, war kein Teil der Show und ich danke den Verantwortlichen dafür, am Ende die Zuschauer über den derzeitigen Stand informiert zu haben, anstatt krampfhaft das Kayfabe zu wahren, das es in unserer Zeit sowieso nicht mehr so ganz gibt. Zurück zum Match: das Aufeinandertreffen war hart, es war fair und es war schön anzusehen. Ein Match nach meinem Geschmack mit zwei Powerhouses. Schön old-schoolig. Drake triumphierte am Schluss verdient. Man sollte es nicht glauben, es gab sogar noch einen Handshake. Toll!

Weiß gar nimmer, wann die Pause war, aber da fiel ein Mann auf, der nicht auf der Card stand: Grado, die Selfmade-Wrestling-Sensation aus UK. Der Mann, der es geschafft hat, dem britischen Strong-Style-Wrestling ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Wer sich für den Aufstieg des Mannes interessiert, Vice hat eine sehenswerte Dokumentation über ihn gedreht: hier.

Vorm main-Event gabs jedenfalls noch eine offene Herausforderung von Mike Schwarz und Jester um die COW-Tag-Team-Titel. und tatsächlich fand sich ein Team: Tristan Archer und Durançon nahmen die Herausforderung an und besiegten die Champions in Rekordzeit. Ob das ein Schiedsrichter-Botch war oder die Zeit davon lief? Keine Ahnung. Das Match dauerte jedenfalls keine fünf Minuten.

Als danach Colt Cabana zusammen mit Mayhem (zu den Klängen von „What Is Love“) und … Grado (natürlich zu den Klängen von „Like a Prayer“) die Halle betrat, explodierte die Stimmung förmlich. Was jetzt kam war klar: ein klassischer Comic Relief. Genau das Richtige, um das TLC-Match vergessen zu lassen. Gegen die bunte Schar Comic-Wrestler wirkten die „Bösewichte“ Carnage, Blackwell und Rene Dupree doch etwas, naja, nicht unbedingt blass, aber zumindest überfordert. Das Match setzte natürlich auf einige Comedy-Spots. So gabs von Mayhem eine schöne Swinging Bodypress (heißt das so?) und natürlich war das Kräftemessen auch schjön ironisch. Am Ende schaffte dennoch Carnage den Pinfall gegen Mayhem, der zuvor von Wonder mit Mehl geblendet wurde. Womit man im Wrestling alles Leute ablenken kann… Naja, vielleicht ist Mayhem ja glutenunverträglich… Aber getreu dem Motto „Eine COW-Show ist erst dann zuende, wenn Alex Wonder auch noch was abkriegt“, fertigten die Comedy-Faces danach die Heels noch einmal ab und Wonder bekam neben seinem Titel auch die nötige Abreibung.

Und jetzt kommen wir noch zum schönsten Moment des Abends… Am Ende rief Ringsprecher Oliver Seidel die drei Hauptverantwortlichen der Ligen in den Ring. Diese kamen dann auch mehr oder weniger als Privatpersonen: Carsten Crank (CWE), Aaron Insane (GHW) und natürlich auch Alex Wonder (COW). Ohne Gimmick, keine „Wonder sucks“-Rufe, das Publikum hat direkt umgeschaltet. Aaron Insane machte ein Update zum Gesundheitszustand der TLC-Teilnehmer. Und so endeten zwei Tage Wrestlingprogramm in Walpershofen. Ein Fest für die ganze Familie!